Montag, März 09, 2009

 

Saturday night fever (Gastbeitrag)

Don Rodolpho hat in seinem Leben dreimal häufiger einen Blog eröffnet, als ich dies je getan habe. Dennoch verfügt er gegenwärtig nicht über einen solchen, weshalb er meiner Wenigkeit die Ehre eines Gastbeitrages erweist. Obwohl sein letzter Post wohl lange Zeit zurückliegt, wird schnell deutlich, dass er sein Handwerk wahrlich noch nicht verlernt hat. Das Thema ist - völlig überraschend - eine Samstagnacht im Bierhübeli zu Berna. Viel Vergnügen!

Es war Samstag… aka Da Iweihete of da Casa of da Urbel aka Wuas polterte den da? aka L_Bahn ist jetzt offiziell zum ÖV erklärt worden

Es war Samstag und alle wollten sie… Alle? Nat(h)ürlich nicht alle. Doch wuas wollten sie?

Also, Urbel hatte zu einer House-Uhuere-Iweihete geladen. Er befürchtete eine überfüllte Wohnung und zuwenig Bier. Doch so weit sollte es gar nicht erst kommen. Denn ein Grossteil der Stelzbock-Crew war schon geankert. Manche ankerten sich gleich selbst, so wie König Merowech, der irgendwas faselte von Mr.Propper, Gerbersen , und Mike Delphino. Mit ihnen wollte er im Schnee rumtollen. Der Alte hatte ebenfalls nicht mit einer Sturmwarnung gerechnet und blieb so dann ganz überraschend im Westen an Festland. Der Böse Onkel Torque hingegen war ganz bewusst abgetaucht. Insider berichten, er solle sich im hohen Norden befinden. Der Ausspruch: „He, dir Sieche, i teschte grad mit zwe Blondine dr Pool vom 4-Stärn Hotel“ wollte die schwedische Depeschen-Agentur noch nicht bestätigen. So blieben nur noch He-Beau, Lonny, özel hui, Grosses Mann, und Randal, die sich zu Urbel einfanden.

Randal und Lonny wurden vorher noch im Mad gesehen wo sie sich einen „Salatteller“ gönnten. „Eigentlech het de Lonny nu welle ga luege, ob Dolores au dete isch“.

Gegen Neun Uhr treffen Randal und Lonny bei Urbel ein. Dort befindet sich schon ein verschwitzter He-Beau, der Liegestützen macht. Tja, so Chemielaboranten sollten schon fit sein. Die Wohnung wirkt gepflegt. Und die Einrichtung zeugt von Geschmack. Was den Verdacht aufkommen lässt, dass da ein „Pfadimeitli“ beim Aussuchen der Möbel mitgeholfen hat. Nur ein Sofa sucht man vergebens. Auch der grosse Fernseher steht lieblos auf dem Boden. Dann schon lieber klein aber auf einem schönen Möbel. Ein Sofa war aber auch nicht von Nöten. Özel hui war nur für etwa eine halbstündige Steppvisite zu Gast.

Ein Anderer war zwar da, aber hielt sich mehrheitlich nur in der Küche auf. Wer wohl? Kleiner Tipp, er war grade am kochen und ziemlich gross. Gegen Elf wollten diese Deppen dann gegen das Bier(c)hübeli verschieben. Doch wie? 5 Leute aber nur ein kleiner Peugeot für 4 Leute! So musste Grosses Mann halt das Velo nehmen. Also Urbel, mal ein Auto kaufen du Nase! Im Hübeli angekommen ging es auch schon los. Da warteten illustre Gäste aus alten Zeiten, die schon lange nicht mehr dorten gesichtet wurden. E30er-Tom, Die Agentin, Lawer-Boy, T. von Patrick, Sell-You und die ganze Bern West-Fraktion. Auch die Chlyklass-Jungs waren dort. Des weiteren waren Nick (De Nick vom Lonny) und seine Jumpstyler vor Ort. Die Stelzböcke trafen wenig später auf ein paar Westschweizer Girls, die gerade einen Polterabend feierten. Dies nat(h)türlich ganz zufällig und ohne Vorahnung. Dennoch machte es Spass, mit dieser Gruppe die 90er zu zelebrieren. Die Songs verleiteten einem, das Tanzbein zu schwingen. So war es auch nicht verwunderlich, dass hin und wieder einer bis zwei der Protagonisten einen low-body-contact halt nicht verhindern konnte, auch wenn sie das doch tunlichst vermeiden wollten. Dennoch war alles molto correcto, auch wenn die 3 italo-dancer, Fabio, Knotschi und Rodolpho schon noch ein bisschen aufdrehten als der Hebelin gegangen war. Lonny hatte sich unterdessen zu Nick und seinen Jumpern abgesetzt. Nick hatte einen guten Draht zum DJ und so war es auch nicht weiter verwunderlich, dass gegen Ende der Party noch ein bisschen Hardcore Vibes aufkamen. Die Playlist war denn auch holländisch dominiert: 2unlimited, Technohead, de Euromasters, Force-Team und der ganze good old stuff. Nach Dune und Darude gab es noch ein Schwan-kuscheln und dann ganz schnell zur Garderobe. Die Girls bestanden noch auf einen safe walk home, wärend Urmel und Grosses Mann die L-Bahn benützten.



Randal OFF ihr Nasen

Donnerstag, März 05, 2009

 

Grossdeutsche Lösung bei "Tschörmäny's"

Bei Germany's next Topmodel scheint man die grossdeutsche Lösung zu bevorzugen: Soeben wurde die frisch gekürte "Austria's next Topmodel" in die bestehenden deutschen 16 Finalistinnen heimgeholt ...äh ... integriert.

Wenn wir schon bei dieser Sendung sind: Ich finde die Kandidatinnen waren in früheren Staffeln auch schon besser. Die m.E. besten Bewerberinnen wurden in den Vorausscheidungen von Düsseldorf und München rausgekippt. (Immerhin: die neu integrierte Miss Austria ist toll!) Ganz schlimm ist heuer aber die Klum. Unglaublich diese Arroganz, fiesen Sprüche, das verächtliche Lächeln gepaart mir dem eiskalten Abputzen der armen, jungen Dinger... Naja, ohne Bruce "Die Handtasche" Darnell (der von der Klum persönlich weggemobbt worden sein soll) ist das Ganze eh nur halb so lustig...

Mittwoch, November 05, 2008

 

Zensur der Mittelinks-Medien am Beispiel Obama (Gastbeitrag)

Vorweg: Ich schliesse mich im Ergebnis für einmal dem Mainstream an und finde es auch ganz okay, dass Obama gewählt wurde. Wenn ich aber solch pathetische Artikel in der Online-Ausgabe der NZZ(!) lesen muss, läuft es mir irgendwie kalt den Rücken runter... Wo sind wir hier eigentlich? Item, am Beispiel Obama zeigt uns Ölä in einem weiteren Gastbeitrag ein anschauliches Beispiel, zum hier auch schon kritisierten politisch korrekten Zensurverhalten unseres Mitte-Links-Tagesmedien-Mainstreams...

Angesichts der überschwänglichen Euphorie die sich momentan im BZ Artikel zur Wahl Obamas (und nebenbei auf der ganzen Welt) breitmacht, wollte ich mit dem folgenden Kommentar ein bisschen bad guy spielen und die Friede-Freude-Eierkuchen-Fraktion ein wenig aufmischen:

Autor: O. Schmid
Ist es nicht Ironie des Schicksals? Vor knapp zwei Jahren haben die USA einen Hussein getötet. Jetzt wählen sie einen zum Präsidenten. Nomen est omen?


Leider schaffte es dieser Kommentar nicht durch die Zensur der BZ Internet-Redaktion...

Gut, es konnte ja sein, dass die Online-Redaktion ob der Flut von Kommentaren (zum damaligen Zeitpunkt bereits über 85) nicht alles veröffentlichen konnte und stattdessen nur sporadisch ausgewählt hat. Um dies zu überprüfen, habe ich rund 15 Minuten später diesen Kommentar verfasst:

Autor: Oleg Kusnizov
Amerika hat vorbildlich gehandelt und ist über seinen Schatten gesprungen. Es wäre schön wenn auch in Russland so etwas möglich wäre. Super!


Und siehe da, oh Wunder! Dieser Kommentar wurde umgehend veröffentlicht. Somit darf ich davon ausgehen, dass mein erster Kommentar bewusst nicht veröffentlicht wurde und in der knallharten BZ-Zensur hängengeblieben ist.

Meine Erkenntnis daraus:

Wenn Du Dich im Internet-Forum der BernerZeitung mittels Kommentar beteiligen willst, dann erfülle folgende Anforderungen:

1. Schreibe nur im Sinne der politischen Doktrin des staatstreuen mitte-links Blattes.
2. Schreibe das, was jeder schreibt.
3. Kritik ist möglich, aber nur im Einklang mit Punkt 1. und 2.

Würde also Russland in unserer Medienwelt nicht als Schurkenstaat gelten, so wäre wohl auch mein zweiter Kommentar nie erschienen. Die BZ spielt hier also im Kleinen durch, was in den USA Obama massgeblich zur Wahl verholfen hat ("Obamania" in allen Medien). Sie ergreift Partei und unterbindet andere Meinungen.


Samstag, November 01, 2008

 

Linker AHV-Unsinn (Gastbeitrag)

Die Menschen werden immer älter und gleichzeitig werden immer weniger Kinder geboren. Der Anteil der erwerbstätigen Bevölkerung an der Gesamtbevölkerung sinkt; der demographische Wandel ist in vollem Gange. Das weiss heute eigentlich jedes Kind. Und dennoch kommt den linken Realitätsverweigerern nichts Besseres in den Sinn als eine Senkung (!) des AHV-Alters zu verlangen. Sowas nennt sich dann sozial. In Wahrheit stellt die Initiative ein als solches kaum verdecktes Geschenk an die typische SP-Klientel dar (gutverdienende, teilzeit arbeitende Staatsangestellte der Baby-Boom-Generation). Die Sache stinkt zum Himmel...

Gastautor smiling catilina zum linken AHV-Unsinn. Viel Vergnügen!

Rentenalter 62 für (fast) alle
Die „Volksinitiative für ein flexibles Rentenalter“ will allen Personen mit einem Erwerbseinkommen von unter 118‘000 Franken die Frühpensionierung ab dem 62. Altersjahr ermöglichen. Eine Frühpensionierung ist bereits heute möglich, nur muss man dazu (versicherungsmathematische) Kürzungen der AHV-Rente hinnehmen. Die Initiative will nun diese Kürzungen streichen, was einer faktischen Subventionierung der Frühpensionierung gleichkommt. Die Befürworter der Initiative argumentieren, dass die Finanzierung der AHV grundsolide sei und in ihrer Erfolgsrechnung Überschüsse aufweise. Die Kosten des Volksbegehrens, jährlich 800 Millionen Franken nach den Berechnungen des Initiativkomitees (1.5 Milliarden Franken nach jenen der Gegner des Volksbegehrens) seien verhältnismässig gering und überschaubar, zudem profitiere ein erheblicher Teil der Bevölkerung davon. Nachdem nun Milliarden für die Grossbanken und die Zocker an der Börse ausgegeben wurden, seien endlich die hart arbeitenden kleinen Leute auch mal dran.
Dieser Argumentation widerspricht die Ökonomin Professor Monika Bütler. In einem Zeitungsartikel mit gleicher Überschrift legt sie dar, dass nicht die angepeilten Geringverdiener, sondern Personen über 50 mit mittleren und höheren Einkommen (Anm. d. R.: = ein grosser Teil der SP-Wählerschaft), die Hauptgewinner einer Annahme der Initiative wären. Ihre Hauptargumente sind wie folgt:

Wie teuer ist die Initiative tatsächlich?
Die Initianten betrachten Einkommen bis zu 10'000 Franken pro Monat als mittlere Einkommen. Somit können 85% der Männer und 98% der Frauen von einer subventionierten Frühpensionierung profitieren (Vermögende, die von ihren Kapitalerträgen leben, und solche, welche gar nicht arbeiten, eingeschlossen!!!). Natürlich wird argumentiert, dass ein Teil der Kosten in anderen Bereichen eingespart werden könne, so in der IV oder der Sozialhilfe. Nur haben wir ein kleines Problem: Die Gesamtbevölkerung wird im Schnitt immer älter. Die (optimistischen) jährlichen 800 Millionen werden bald nicht mehr genügen, um die grosszügige Frühpensionierung zu finanzieren. In jedem Fall bedeuten die Mehrausgaben niedrigere AHV-Renten in der Zukunft oder höhere Steuern (Mehrwertsteuer, Lohnprozente) ab sofort. Schon nach wenigen Jahren übersteigen die durch die Initiative verursachten Mehrkosten die gerade von linker Seite heftig kritisierte Hilfe an den Finanzsektor.

Wer profitiert tatsächlich von dieser Initiative?
Es sind die Babyboomer im mittleren Einkommensbereich. Die Initiative hat einen gewaltigen Konstruktionsfehler. Die Initiative stützt sich auf das erzielte Erwerbseinkommen als Kriterium für den Zugang zur ungekürzten Rente. Jedoch, jeder kann es bis zu einem gewissen Grad selber bestimmen, wie hoch sein Einkommen ist. Ein Hochschulabgänger, der sich nach einem staatlich mitfinanzierten Hochschulstudium mit einer Teilzeitstelle begnügt (Anm. d. R.: ein Grossteil der SP-Wählerschaft arbeitet teilzeit, denn dies ist beim Staat viel einfacher als in der Privatwirtschaft) und ein durchschnittliches Jahreseinkommen von 110'000 Franken erzielt, erhält auch die ungekürzte Rente. Wer gerade im Bereich von 120'000 Franken Jahreseinkommen liegt, wird sich hüten, mehr zu leisten, denn dann verliert er seinen Rentenanspruch. Lieber wird er noch reduzieren. Bei mittleren und höheren Einkommen bestraft der Vorschlag der Gewerkschaften daher die Arbeitstätigkeit.

Profitieren die Leute mit kleinen Einkommen tatsächlich?
Den kleinen Leuten bringt die Initiative kaum Vorteile. Wenn sich eine Verkäuferin heute vorzeitig pensionieren lässt, nimmt sie eine Rentenkürzung bei der AHV und der Pensionskasse in Kauf. Sie kommt aber in den Genuss von Ergänzungsleistungen, welche ihr ein Einkommen von rund 3000 Franken pro Monat für Alleinstehenden oder 4500 Franken für Verheiratete garantieren (exklusive weiteren medizinischen Leistungen). Sofern kein Vermögen vorhanden ist, kompensieren die Ergänzungsleistungen die Einbussen durch Rentenkürzungen vollständig. Zudem, nicht-vermögenden Arbeitnehmern mit monatlichen Vorruhestands-Einkommen unter circa 4500 Franken (Alleinstehende) oder 6000 Franken für (Verheiratete) wird das Renteneinkommen bei vorzeitigem Ruhestand ab Alter 62/63 schon heute nicht gekürzt!

Wer bezahlt die Initiative tatsächlich?
Die Alten oder die heutigen Rentner: Die zusätzlichen Ausgaben der AHV müssen in der Zukunft über zusätzliche Steuereinnahmen finanziert werden. Erhöht man dazu wie in der jüngsten Vergangenheit die Mehrwertsteuer, dann müssen die heutigen Rentner tiefer in die Tasche greifen. Auch werden sie möglicherweise andere Folgen der Initiative zu spüren bekommen. Der Mangel an Pflegepersonal wird sich sicher nicht bessern, wenn die Arbeit für diese Leute nach 62 so offensichtlich bestraft wird.
Die Jungen oder eigentlichen Verlierer: Bis sie einmal das Pensionsalter erreichen, werden keine Mittel mehr vorhanden sein für solche Luxusleistungen. Die jährlichen Kosten einer subventionierten Frühpensionierung kommen zu den ohnehin schon dramatischen Finanzierungslücken in der Zukunft. Ein Ja zu Rentenalter 62 heute heisst auch ein Ja zu einem höheren Rentenalter morgen.

Montag, Oktober 20, 2008

 

Gemeindewahlen Neuenegg 2008 (Gastbeitrag)

Eine Analyse von Oliver Schmid


(Der Autor ist gescheiterter Gemeinderatskandidat der SVP, Hobby-Politologe und Bewunderer von Claude Longchamp, den er vor allem darum beneidet, dass dieser trotz falscher Prognosen und einer scheinobjektiven Subjektivität eine Menge Geld verdient.)


Die SVP kommt mit einem blauen Auge davon
Bereits wieder gehören die Neuenegger Gemeindewahlen 2008 der Geschichte an. Im Grossen und Ganzen hat sich nicht viel verändert. Die SVP bleibt klar stärkste Partei, hat aber in den Kommissionen einen starken Einbruch an Wähleranteil erfahren. Dies hat Konsequenzen: In vier von fünf gewählten Kommissionen verliert sie je einen Sitz. Jeweils 2 an die FDP die allgemein stark zugelegt hat und die SP, welche gegenüber den letzten Wahlen leicht an Wähleranteil eingebüsst hat. Im wichtigsten Gremium, dem Gemeinderat, bleibt sie mit 4 Vertretern (-1 gegenüber 2004 aufgrund Reduktion der Anzahl Sitze von 9 auf 7) die klar dominierende Kraft, auch wenn der 4. Sitz nur knapp und erst in der 2. Verteilung vergeben wurde.





Der BDP Effekt
Im Vorfeld der Wahlen wurde viel gemunkelt und die anderen Parteien malten sich bereits erdrutschartige Verschiebungen des SVP-Territoriums zu ihren Gunsten aus. So gab sich zum Beispiel der FDP Parteipräsident Herbert Roschi in der Neuenegger Zeitung kämpferisch, in dem er einen zweiten Gemeinderatssitz für seine Partei forderte. Soweit ist es aber nicht gekommen. Trotzdem hat die SVP gerade im Gemeinderat satte 7.5% an Wähleranteil verloren. Gründe hierfür findet man sicher in der Krise in welcher sich die SVP seit der Nicht-Wiederwahl ihres Bundesrats Christoph Blocher befindet, und in der damit verbundenen Abspaltung der Berner BDP. Da eine lokale BDP nun aber in Neuenegg nicht zustande kam, haben viele enttäuschte SVP-Wähler den Weg zur Urne gar nicht angetreten oder, verheerender noch, einen BDP Ersatz in der FDP gefunden. Auch die knapp 3.5% Wähleranteil zu Gunsten der rechten Newcomer Partei CH-Jugend wurden eins-zu-eins dem SVP-Wähleranteil abgezogen.



FDP Neuenegg: Der zweite Frühling der Altherren-Truppe
Wie bereits erwähnt profitierte die FDP am meisten von der geschwächten SVP. Dennoch sind nicht alle bei der SVP fehlenden Stimmen auf direktem Weg an die FDP gewandert. Von den 7.5% Verlust seitens SVP sind rund 3.5% an die CH-Jugend gegangen. Die restlichen 4% gehen klar an die FDP. Diese hat gesamthaft aber über 6.5% zugelegt und hat damit seit langer Zeit wieder einmal die 20%-Marke überschritten. Somit konnte sie auch der SP, welche im Gemeinderat eine Abnahme von knapp 2.5% aufweist, einige Wähler abgewinnen. Das Erstaunliche am Erfolg der FDP ist, dass sie dieses All-Zeit-Hoch trotz, oder vielleicht auch wegen folgenden Umständen erreicht hat:


Abschliessend halte ich aber daran fest, dass es den „neuen“ FDP-Wählern nicht um die Köpfe der Neuenegger FDP ging, sondern dass sie in erster Linie die Stimme nicht der SVP oder der SP geben wollten.

CH-Jugend als Wahlhelfer für die SP
Es ist eine Ironie des Schicksals, dass gerade die von ihr am meisten belächelte CH-Jugend der SP zu einem Sitzgewinn verholfen hat. Rechnet man bei den Ergebnissen der Bau- und Planungskommission nämlich die von der CH-Jugend erreichten 267 Stimmen zur SVP, würde diese ihren Anteil von 4 Sitzen behalten. Durch das Fehlen genau dieser Stimmen aber, hat die SVP den vierten Sitz an den lachenden Dritten, die SP, verloren.

Das neue 7-Sitz Modell im Gemeinderat: Die falsche Strategie von SP und FDP
Nachträglich betrachtet war die in diesem Jahr von SP und FDP durchgesetzte Reduktion des Gemeinderats von 9 auf 7 Mitglieder ein glatter Glücksfall für die SVP. Berechnet man das aktuelle Ergebnis mit dem alten 9-Sitz Modell, so hätte die SVP ihren damals 5ten Sitz an die FDP abtreten müssen, welche ihren vor 4 Jahren an die SP verlorenen grandiosen 2ten Sitz zurückgewonnen hätte. So gesehen haben sich die SP und FDP mit einem Votum für das 7-Sitz Modell selber ein Bein gestellt. Denn mit der neuen Verteilung besetzen sie auch weiterhin nur die Nebenrolle in der Neuenegger Lokalpolitik.

Facts and Figures zu den Gemeindewahlen Neuenegg

Wahlbeteiligung: 33.32% (im Vergleich 2004: 35.26% / 2000: 36.70%)

Sitzverteilung:

Gemeinderat:
SVP 4 (-1*) / SP 2 (-1*) / FDP 1 / CH-Jugend 0
(* Sitzabnahme aufgrund Reduktion Sitzzahl von 9 auf 7)

Kommissionen:
Bau- und Planung: SVP 3 (-1) / SP 3 (+1) / FDP 1 / CH-Jugend 0
Strassen: SVP 3 (-1) / SP 2 / FDP 2 (+1)
Umwelt: SVP 3 (-1) / SP 3 (+1) / FDP 1
Finanz- und Steuer: SVP 2 (-1) / SP 1 / FDP 2 (+1)
Soziales: SVP 3 / SP 2

Anzahl Kandidaten:
SVP 35 / SP 23 / FDP 13 / CH-J 3

Durchschnittsalter:
SVP 45
SP 46
FDP 52
CH-J 20

Frauenanteil:
SVP 25.7%
SP 30.4%
FDP 0%
CH-J 0%


Sonntag, Oktober 12, 2008

 

Emeidi im Amt bestätigt


Die Neuenegger Gemeinderatswahlen stehen vor der Tür. Grund genug - vorübergehend - aus meinem selbstverschuldeten Blog-Winterschlaf aufzuwachen und ein paar Belanglosigkeiten in die Tasten zu hauen. Vor einiger Zeit kommentierte ich hier bereits mit (allzu?) böser Zunge den durch eine wundersame Aneinanderreihung zufälliger und nicht ganz zufälliger Ereignisse zu Stande gekommene Einzug des Ötzels in die Neuenegger Exekutive. Damals durfte man noch hoffen, dass es sich angesichts der nun bevorstehenden Gesamterneuerungswahlen und der Verkleinerung des Gemeinderates von 9 auf 7 Sitze nur um ein kurzes Gastspiel des Ötzels handeln würde. Diese Hoffnungen haben sich zerstreut. Emeidi wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit für weitere 4 Jahre Gemeiderat sein. Dies aus folgenden Gründen:


Keine Konkurrenz:
Der gegenwärtig zu 33,333% aus Mitgliedern der Familie Aeby bestehende Vorstand der SP Neuenegg hat ganze Arbeit geleistet. An parteiinterner Konkurrenz wird die Wiederwahl des gepushten Polit-Youngsters nicht scheitern. Ganze 4 Personen zählt die Kandidatenliste der SP. Neben dem so gut wie sicher wiedergewählten Rolf Giger besteht des Ötzels Listenkonkurrenz aus 2 Parteilosen (!). Man stelle sich vor: die zweitgrösste Partei der bald 5000 Seelen zählenden, halben Kleinstadt Neuenegg findet gerade mal 2 Genossen mit Parteibüchlein, welche sich für die Wahl in den 7-köpfigen Gemeinderat zur Verfügung stellen! Unvermögen oder politische Nachwuchsförderung? Wir werden es wohl nie erfahren... Doch damit nicht genug! Die beiden Parteilosen - eine knapp 20 Lenze zählende Studentin und ein kaum bekannter Gymnasiallehrer (dass Gymnasiallehrer mit der SP sympathisieren durfte ich am eigenen Leib erfahren, übrigens) - wären auch mit Parteimitgliedschaft keine Konkurrenz. Während der Ötzel - rein zufällig natürlich - mit dem Wiederwahl-Garantie-Prädikat "bisher" antreten darf, sind die anderen beiden dorfpolitisch gänzlich unbeschriebene Blätter.
A propos bedingungslos parteiintern forcierte Wiederwahl-Förderung: Es versteht sich von selbst, dass die ersten beiden Plätze der SP-Liste nicht etwa vom amtsälteren und immerhin das Amt des Gemeinde-Vizepräsidenten innehabenden Rolf Giger oder von der Nachwuchshoffnung Laura Witschi eingenommen werden, sondern - guess who? - von keinem geringeren als unserem Protagonisten...


3 Sitze für die SP?
Wenn die SP ihren vor vier Jahren erzielten Wähleranteil hält, dürfte sie wohl 2 Sitze holen. Es besteht nun aber die realistische Gefahr, dass die SP ihren Wähleranteil noch erhöhen wird und ihre 3 Sitze im Neuenegger Gemeinderat trotz der Sitzverkleinerung halten kann. Gründe hierfür bestehen darin, dass die Konkurrentin SVP-Neuenegg weiter Wähleranteile verlieren wird. Dies einerseits aufgrund der gegenwärtigen Negativschlagzielen der Mutterpartei auf Bundesebene sowie wegen einiger frustrierter BDP-Grännis, die es sicher auch in Neuenegg geben wird. Kommt hinzu, dass die in grosser Zahl nach Neuenegg strömenden Neuzuzügler vorwiegend aus urbaneren Gegenden stammen und ihre Stimme daher am ehesten der SP geben dürften. Sollte also Gymnasiallehrer Affolter völlig wider Erwarten mehr Stimmen als Emeidi holen, reicht jenem bei Eintritt des oben beschriebenen 3-SP-Sitze-Horrorszenarios auch ein dritter Listenrang. Denn Laura Witschi, welche für ihre Courage von der Parteileitung damit "belohnt" wurde, als einzige unkumuliert und erst noch an letzter Stelle auf der Liste zu figurieren, hat ungefähr gleich hohe Wahlchancen wie Christoph Blocher bei den nächsten Bundesratswahlen...
Ach ja: und falls für unseren Genossen tatsächlich alle Stricke reissen sollten, kann man ja immer noch nachrücken. Hat ja beim letzten Mal auch ganz "reibungslos" geklappt..,
Fazit: es soll mir nächsten Sonntagabend, bitte, niemand erzählen, Emeidi sei völlig überraschend (oder womöglich gar wegen einem grandiosen politischen Leistungsausweis) wieder gewählt worden...
In dem Sinne: Herzliche Gratulation zur Wiederwahl!

Montag, Mai 05, 2008

 

Hamburger Elegien

Der folgende Beitrag entstand während einer Zugfahrt am 30. April 2008 und soll bezüglich meines Deutschland-Aufenthalts mehr real time-Auszug denn resümierende Gesamtschau sein...

Ich sitze im Zug von Bremen nach Hamburg. So wie ich es in den vergangenen 2 Monaten fast täglich getan habe. Ich bin gezwungen, mit dem so genannten Metronom-Zug (= Bummler) zu fahren. Grund: eine Frau, eine "Gutmenschin", mit Fahrrad (ja, die gibt’s auch hier oben auch, und wie! Fahrräder UND Gutmenschen übrigens) versperrte mir den Weg, worauf mir der ICE vor der Nase wegfuhr. „Ach, sie wollten auf den ICE! Wollen Sie nach Hamburg? Nehmen Sie doch einfach den Metronom hier!“ Dass letzterer insgesamt 40 Minuten später in Hamburg eintrifft, spielt in ihrer ungezwungenen Welt natürlich keine Rolle. Wohl aber in meiner! Item, nun habe ich wenigstens Zeit, einige Erlebnisse und vor allem Erkenntnisse meiner Zeit in Norddeutschland niederzuschreiben. Dabei will ich mich auf jene Eigenheiten beschränken, welche meiner vornehmlich aus Schweizern bestehenden Leserschaft nicht zwingend bekannt sein dürften. Aus oben genanntem Grund könnte das Ganze aus einer leicht frustrierten Grundhaltung heraus erfolgen.

Bleiben wir mal bei den Zügen. Hier herrscht in Deutschland eine uns unbekannte Form der 2-Klassen-Gesellschaft. Man kann nicht einfach ein Ticket (oder ein Abo) von Bremen nach Hamburg lösen. Die entscheidende Frage lautet hier „to ICE or not to ICE?“. Natürlich ist es mit ICE etwas teurer, doch habe ich es keine Sekunde bereut, mit meinem etwas teureren Strecken-Abo auch in der Königsklasse der Deutschen Bahn (hier aber selbstverständlich 2. Klasse) fahren zu dürfen. Obwohl die Differenz bei einer Einzelfahrt nur ca. 3 Euro ausmacht, sind es Welten zwischen einer Fahrt mit dem ICE oder einer mit dem Metronom. Hier die komfortablen Sitze in den modernen Waggons, in denen man auch zu Stosszeiten immer einen Sitzplatz mit Tischchen findet. Dort die überfüllten Metronom-Züge, deren Abteile bisweilen mit Essensresten, Erbrochenem, verschüttetem Bier und jeder Menge Müll aufwarten. Die Passagiere des Metronoms: Büetzer, pubertierende Teenies, lauthals lästernde ältere deutsche Frauen, die sich zu ihrem Sitzplatz vorkämpfen als wenn es kein Morgen gäbe, jüngere Männer mit Migrationshintergrund und nach aussen gekehrtem Aggressionspotential – vieles, was nervt, halt. Wenn diese heterogene Passagierschaft sich und leider auch allen anderen Mitfahrern nicht gerade die Höhepunkte aus ihrer miesen kleinen Welt verbal zum besten gibt, ist sie meistens am Fressen: Döner, Mac Donald’s, Chicken Curry, Hauptsache möglichst penetrant riechend und Hauptsache dabei möglichst laut schmatzen scheint hier die Devise zu sein.
Okay, ich glaube das reicht und es dürfte klar geworden sein, weshalb ich den ICE gegenüber dem Metronom bevorzugte… Noch drei letzte Bemerkungen zur Deutschen Bahn: ja, es gibt deutlich mehr und häufiger Verspätungen als bei der SBB, ja, das Damokles-Schwert des Streiks schwebt hier immerzu über den Bahnhöfen und – zum Schluss doch noch etwas Nettes – die Kontrolleure der Deutschen Bahn sind hier nach meinen Erfahrungen in der Mehrzahl weiblich, jung und gutaussehend. Das ist nicht ein ironischer Versuch, an der deutschen Bahn doch noch ein gutes Haar zu lassen, sondern die Wahrheit! Echt! So, fertig Eisenbahn, jetzt!

Was ist denn hier oben sonst noch anders als bei uns? Ausser der unendlich flachen Landschaft und dem unendlich regnerischen, windigen, rauhen, so genannt „norddeutschen“ Wetter? Wenn wir noch bei der Landschaft bleiben wollen, so hat sich die rot-grüne Ära Schröder hier hunderte und aberhunderte erstaunlich grosse Denkmäler gesetzt: die Windkraftwerke. Sie sind einfach überall, wo man in der Landschaft ausserhalb der Städte hinsieht. Überall…

Zu den Leuten: laut Wikipedia sollen es noch über 3 Millionen sein, die plattdeutsch sprechen. Mir ist nicht einer von ihnen begegnet – da bin ich wohl wieder einmal an meiner Urbanität gescheitert. Nur gelesen habe ich den Dialekt und zwar jeweils beim morgendlichen Jogging: „Kok mal wedder en!“ (Schau mal wieder vorbei!), stand ausgangs der Schrebergarten-Anlage Westerwald… Dennoch finden sich lustige sprachliche Eigenheiten hier oben. Samstag heisst hier Sonnabend, beispielsweise. Okay, das wussten wir vielleicht schon, doch wussten wir auch, dass hier sogar auf den Titelseiten der Tageszeitungen nicht vom Samstag, sondern vom Sonnabend die Rede ist? Ich jedenfalls nicht. Auch interessant: „Moin!“ sagt hier oben einfach jeder und jede und nicht etwa nur bodenständige Klischee-Friesen vom Hauke-Haien-Koog! Auch diesbezüglich war ich falsch gewickelt, dachte ich doch „Moin!“ heisse übersetzt so viel wie „Guten Morgen“. Denkste, die Leute begrüssen sich auch am Abend so und zwar Alt und Jung, cool und uncool usw… Wie vermutlich überall in Deutschland scheint bei Jugendlichen hier die offizielle Anrede „Hey, Alter…“ zu sein, egal ob Männlein oder Weiblein, und ein verbreiteter Ausspruch lautet: „Alter Schwede!“, was so viel wie „Meine Güte“ heissen soll...

Interessant auch der Strassenverkehr. An Hamburgs unglaublicher Dichte an Porsche Carreras, BMW Z4s, Mercedes SL Cabrios und dergleichen erkennt man jedenfalls nicht, dass in diesem Land bedeutend tiefere Löhne bezahlt werden sollen als in der Schweiz. Die Deutschen fahren viel und schnell, die Hemmschwelle zur Hupe liegt substanziell tiefer als bei uns (okay, immer noch deutlich höher als in Süditalien!). Gefährlicher als die Autos sind aber die Fahrräder, von denen es im Stadtverkehr Unmengen gibt. Auch die Radwege sind überaus zahlreich und verlaufen in der Regel direkt auf den Trottoirs, was mich bald zum Schluss kommen liess, dass hier die Wahrscheinlichkeit, von einem Drahtesel überfahren zu werden, bedeutend höher ist als jene, einem Auto zum Opfer zu fallen. Die Fahrräder beharren nämlich in unglaublicher Aggressivität und bisweilen Arroganz auf ihren Wegen, welche alles andere als leicht von den gewöhnlichen Gehsteigen abzugrenzen sind. Disziplin herrscht an den Ampeln: selten der Fussgänger, der bei Rotlicht noch schnell über die Strasse huscht. Es scheint als seien dies die Relikte der preussischen Obrigkeitsgläubigkeit, die hier durchschimmern.

Mein Metronom hat soeben den Agglomerationsbahnhof Hamburg-Harburg passiert, was bedeutet, dass ich in wenigen Minuten in Hamburg eintreffen werde. Es gäbe noch vieles, vieles mehr zu erzählen, doch will es mein Zeitplan, dass ich für diese Geschichtchen (die, die Welt nicht braucht) nicht mehr als diese eine Zugfahrt aufwende.

Ich schliesse mit einer weiteren Verballhornung, die ich hier oben gelernt habe:

Tschüssikowsky!

Dienstag, April 08, 2008

 

SVP-Wähleranteil - Der Tragödie zweiter Teil

Wenn es ums Herunterspielen von SVP-Wahlerfolgen geht, legen gewisse Leute mitunter schon fast bewundernswerte Phantasie und Originalität an den Tag. Bereits im letzten Dezember war ich gezwungen, an dieser Stelle ein paar ganz abstruse Zahlenverdreher auf den Boden der Realität zurückzuholen.

Ähnliches wiederholt sich nun bezüglich Interpretation der SVP-Wahlresultate bei kantonalen Wahlen seit der Blocher-Abwahl vom 12. Dezember 2007 (sie gewann in sämtlichen Kantonen). Während gewisse linke Tageszeitungen abstruserweise trotz Sitzgewinnen von einer Niederlage der SVP ausgehen (Grund: bei den NR-Wahlen im Herbst war der SVP-Wähleranteil NOCH höher als jetzt bei den kantonalen Wahlen), bleibt die mitte-linke, aber vernünftige NZZ bei den Tatsachen.

Die identische Debatte hat sich auch im Mikrokosmos der Kommentar-Ecke meines kleinen Blogs abgespielt und soll im Folgenden anhand chronologischer Auszüge daraus kurz vorgestellt werden (Ja, es handelt sich über weite Teile um einen Comment-Recycling-Post):

Emeidi:
"... Die Wahlen im Berg- und Urchel-Kanton Uri wiederum halte ich nun wirklich nicht für "repräsentativ" für die Gemütslage von Herrn und Frau Schweizer. ..."

Smythe:
"... Betr. Wahlerfolgen hätte ich auch auf den Kanton Thurgau hinweisen können oder Glarus, wo sich ein Sitzgewinn im Regierungsrat abzeichnet..."

Andreas Kyriacou:
"... Die SVP hat in TG, SG und SZ seit dem vergangenen Herbst Wähleranteile eingebüsst, und zwar ziemlich drastisch (wenn auch auf sehr hohem Niveau). ..."

Smythe:
"Im Kanton Bern fanden die Grossratswahlen rund ein Jahr vor den Nationalratswahlen statt. Bei den Grossratswahlen 2006 betrug der Wähleranteil der SVP 27.4%; bei den Nationalratswahlen 2007 lag er bei 33.6%. Wieso folgerte (nach gleicher Logik) aus diesen Zahlen kein Tagi-Journalist, die SVP sei massiv auf dem Vormarsch? Fakt ist: Wähleranteile von kantonalen Wahlen lassen sich nicht 1:1 mit denen von eidgenössischen Wahlen vergleichen. Unterschiedliche Wahlverfahren, unterschiedliche Anzahl Listen, unterschiedliche Wahlkreise und unterschiedliche Listenverbindungen gilt es zu berücksichtigen. ..."

gugus-dada:
"Wahlerfolg dieses Wochenende? Ach was, im Gegenteil! Thurgau: gemessen an den NR-Wahlen 2007 (und diese gelten hier als Referenzpunkt, logo!) Rückgang um 7 Prozentpunkte. ..."

Smythe:
"Hmmm, die NZZ (bekanntlich alles andere als eine Blocher-freundliche Zeitung!) sieht die Sache mit den Wähleranteilen auf Seite 33 ihrer heutigen Ausgabe etwas anders... Meinem Hinweis im obigen Kommentar entsprechend stellt sie klar, dass man Äpfel mit Birnen vergleicht, wenn man bezüglich Wähleranteilen kantonale mit eidgenössischen Wahlen vergleicht und daraus einfach-gestrickte Schlüsse zieht. Treffend weist sie darauf hin, dass der SVP-Anteil in den kantonalen Parteien noch nie so hoch war wie heute. Und, noch interessanter: dass der Wähleranteil der SVP (auch jener der SP) kantonal in den letzten Jahren IMMER deutlich und konstant unter dem eidgenössischen Gesamtanteil lag (bei CVP und FDP lag er übrigens konstant darüber). Entsprechend stellen die im Vergleich zum Herbst 07 tieferen Werte nicht ein Absacken, sondern vielmehr ein langsameres Nachvollziehen des eidgenössischen Trends dar. "

"Kommentare, welche in diesen Zahlen den Anfang vom Niedergang der SVP zu erkennen glauben, gehören in die Schublade des lieber-schreiben-wie-man's-gern-hätte-als-schreiben-wie-es-ist-Journalismus und sind letztlich nichts als die Durchhaltepropaganda frustrierter Wahlverlierer und linker Journalisten. Aber ich verstehe natürlich, dass besagte Journalisten (noch Angestellte wie auch bereits Arbeitslose und in die Blogosphäre verbannte ;-) ) derartige Zahlenspielchen gerne aufnehmen...Wie oben bereits gesagt, kann ich die Jungs dennoch beruhigen: So lange der Mönch zwischen dem Eiger und der Jungfrau steht, wird in diesem Land KEINE Partei - auch die SVP nicht - einen Wähleranteil von 50% erreichen, d.h. früher oder später wird die von gewissen Teilen so herbeigesehnte Stagnation der SVP schon kommen. Niemand kann 15 Jahre lang (abgesehen von geringen lokalen Einbussen) in allen Wahlen immer nur gewinnen. Niemand."

Anstatt diesen Moment aber krankhaft und stets erfolglos (muss ja echt frustrierend sein) und mit derart abwegigen Begründungen herbeischreiben zu wollen, empfehle ich diesen Jungs, doch einfach noch ein paar Töpfer-Kurse zu besuchen, ein paar Platten Manu Chao oder Bob Dylon zu hören, ein paar mal nach Kuba zu reisen, kurz: abzuwarten und (Grün-)Tee zu trinken und sich dann, wenn der Moment ganz von alleine eingetreten ist, schlicht und einfach darüber zu freuen... Na, wär das was?

Sonntag, April 06, 2008

 

Widmer-Schlumpf-Rücktrittsforderung undemokratisch?

Zur Mitverfolgung des aktuellen Tagesgeschehens bediene ich mich von meinem norddeutschen Exil aus in der Regel der online-Ausgabe der NZZ. Gelegentlich kommen noch 20min und (vermutlich aus Heimweh) der gute alte Teletext zum Zuge. In der gegenwärtig alles in den Schatten stellenden Debatte um die causa Widmer-Schlumpf ist sich die vereinigte Schweizer Medienschar offenbar wieder einmal verdächtig einig. Der Grundtenor:

Die böse, böse SVP erweist sich als schlechte Verliererin der Bundesratswahlen und will die arme, rechtschaffene (und jetzt auch noch von Morddrohungen betroffene) Bundesrätin aus Regierung und Partei ausschliessen. Dies tut die SVP selbstverständlich ohne jeglichen nachvollziehbaren Grund und (wie könnte es auch anders sein?) in menschenverachtender Art und Weise...

Was ich an der Debatte besonders stossend finde: selbst so genannte Experten behaupten immer wieder, die Rücktrittsforderderung sei in schwerster Weise undemokratisch. Dem ist nicht so! Undemokratisch wäre es, wenn die Rücktrittsforderung am 13. Dezember 2007 aufgetaucht wäre. (Damals wurde aber lediglich der Fraktionsausschluss beschlossen, was doch völlig nachvollziehbar ist, wenn eine Bundesrätin zwar von den ärgsten politisichen Gegnern - SP und Grünen - einstimmig gewählt wird, gleichzeitig aber nicht einmal von einer Minderheit der eigenen Partei portiert und/oder gewählt worden war.) Der demokratische Entscheid der Wahl-Widmer-Schlumpfs hingegen wurde von der SVP damals (wenn auch zähneknirschend und unter vielleicht etwas zu lautem Protest) akzeptiert. Von einer Rücktrittsforderung war damals aber nie ernsthaft die Rede. Weil es sich eben um einen demokratischen Entscheid handelte.

Gewendet hat sich das Blatt erst etwas mehr als 3 Monate später, nachdem GANZ entscheidende Details zu den Hintergründen der Wahl im bekannten SF-Film an die Öffentlichkeit gelangten. Nun war klar, dass der Wahl von Widmer Schlumpf ein geheimer Plan, geschmiedet von Exponenten der CVP und der SP, vorausging und dass in diesen Plan (in welchem Ausmass sei einmal dahingestellt) auch Widmer-Schlumpf vorgängig eingeweiht worden war, während sie nach aussen aber das Bild vermittelte, "aus heiterem Himmel" gewählt worden zu sein. Ausserdem macht der Film klar, dass Widmer-Schlumpf ihre Parteileitung frontal angelogen hat, als sie diese im Glauben liess, dass sie eine Wahl niemals annehmen würde. Der "Geheimplan" nämlich konnte nur deshalb funktionieren - ja überhaupt zustande kommen - , weil die Gegner von der Annahme durch Widmer-Schlumpf ausgehen konnten. Dies war quasi die unverzichtbare Konstante in der Formel, auf welcher der politisch zugegebenermassen geschickte Schachzug der Blocher-Abwahl gründete. Geliefert wurde diese Konstante gezwungenermassen von Widmer-Schlumpf persönlich (und zwar höchstwahrscheinlich via den im Geheimplan involvierten Andrea Hämmerle).


In der Juristerei kennt man die clausula rebus sic stantibus. Bei gravierender, unvorhersehbarer Veränderung der Verhältnisse können Verträge mittels dieses Instruments abgeändert werden. Die Umstände haben sich nach Ausstrahlung des Films verändert und zwar massiv. Es wurde klar, dass Widmer-Schlumpf den Interessen von ca. 99% der SVP-Wählenden vorsätzlich zuwider gehandelt hatte. Warum sollte es undemokratisch sein, sie jetzt nach Kenntnis des offensichtlich unmoralischen, bewusst parteischädigenden Verhaltens zum Rücktritt aus dem Bundesrat, dem sie als SVP-lerin anzugehören für sich beansprucht, aufzufordern? Auffordern, wohl bemerkt, und nicht zwingen. Lässt es eine Demokratie nicht zu, einen Magistraten öffentlich zu etwas auffzuordern? (Wie oft wurde Blocher während seiner Amtszeit von seinen zahlreichen politischen Gegnern zum Rücktritt aufgefordert?!) Widmer-Schlumpf braucht sich ganz abgesehen davon selbstverständlich nicht an die Aufforderung zu halten.

Ebensowenig vermag ich zu erkennen, was daran undemokratisch sein sollte, wenn die Partei - juristisch korrekt und mit Zustimmung der grossen Mehrheit ihrer Mitglieder - den Parteiausschluss von Widmer-Schlumpf zu erreichen versucht (notfalls via Ausschluss und Neugründung der Bündner Sektion)...

Übrigens: in den Medien wurde häufig behauptet die ganz grosse Mehrheit der Bevölkerung goutiere das Vorgehen der SVP Schweiz in der causa Widmer-Schlumpf nicht. Von über 80% Zustimmung zu Widmer-Schlumpf war bisweilen die Rede. Wie erklären sich dann bitte die erneuten Wahl-Erfolge dieses Wochenendes? Wann endlich lernen auch linke Journalisten, dass sie die Dinge lieber so beschreiben sollten wie sie sind, als so, wie sie sie gerne hätten...?

 

Konrad Hummler rules!

Konrad Hummler, Teilhaber der Privatbank Wegelin & Co, ist einer der wenigen Exponenten der Schweizer Wirtschaft, welcher sich löblicherweise - obwohl kein politisches Mandat innehabend und meines Wissens ohne Parteimitgliedschaft - immer wieder auch zu politischen Fragen äussert. Und dies nicht nur via die berühmten Anlagekommentare von Wegelin (welche meines Erachtens alle vergleichbaren Mitteilungsorgane an Witz, Prägnanz und Originalität weit übertreffen).

Auch wenn ich ihm für einmal nicht in allen Aussagen zustimmen kann, hat er sich bezüglich origineller und interessanter Anregungen in diesem Interview wieder einmal selbst übertroffen. Hier eine kurze Zusammenfassung der wichtigsten Thesen:


Übrigens: Ich gebe es ja zu. Als Privatbankier ist Hummler rein objektiv nicht gerade die glaubwürdigste und am wenigsten befangene Person, wenn er behauptet die Verteidigung des Bankgeheimnisses sei für die Schweiz eine Existenzfrage...


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