Montag, Mai 05, 2008

 

Hamburger Elegien

Der folgende Beitrag entstand während einer Zugfahrt am 30. April 2008 und soll bezüglich meines Deutschland-Aufenthalts mehr real time-Auszug denn resümierende Gesamtschau sein...

Ich sitze im Zug von Bremen nach Hamburg. So wie ich es in den vergangenen 2 Monaten fast täglich getan habe. Ich bin gezwungen, mit dem so genannten Metronom-Zug (= Bummler) zu fahren. Grund: eine Frau, eine "Gutmenschin", mit Fahrrad (ja, die gibt’s auch hier oben auch, und wie! Fahrräder UND Gutmenschen übrigens) versperrte mir den Weg, worauf mir der ICE vor der Nase wegfuhr. „Ach, sie wollten auf den ICE! Wollen Sie nach Hamburg? Nehmen Sie doch einfach den Metronom hier!“ Dass letzterer insgesamt 40 Minuten später in Hamburg eintrifft, spielt in ihrer ungezwungenen Welt natürlich keine Rolle. Wohl aber in meiner! Item, nun habe ich wenigstens Zeit, einige Erlebnisse und vor allem Erkenntnisse meiner Zeit in Norddeutschland niederzuschreiben. Dabei will ich mich auf jene Eigenheiten beschränken, welche meiner vornehmlich aus Schweizern bestehenden Leserschaft nicht zwingend bekannt sein dürften. Aus oben genanntem Grund könnte das Ganze aus einer leicht frustrierten Grundhaltung heraus erfolgen.

Bleiben wir mal bei den Zügen. Hier herrscht in Deutschland eine uns unbekannte Form der 2-Klassen-Gesellschaft. Man kann nicht einfach ein Ticket (oder ein Abo) von Bremen nach Hamburg lösen. Die entscheidende Frage lautet hier „to ICE or not to ICE?“. Natürlich ist es mit ICE etwas teurer, doch habe ich es keine Sekunde bereut, mit meinem etwas teureren Strecken-Abo auch in der Königsklasse der Deutschen Bahn (hier aber selbstverständlich 2. Klasse) fahren zu dürfen. Obwohl die Differenz bei einer Einzelfahrt nur ca. 3 Euro ausmacht, sind es Welten zwischen einer Fahrt mit dem ICE oder einer mit dem Metronom. Hier die komfortablen Sitze in den modernen Waggons, in denen man auch zu Stosszeiten immer einen Sitzplatz mit Tischchen findet. Dort die überfüllten Metronom-Züge, deren Abteile bisweilen mit Essensresten, Erbrochenem, verschüttetem Bier und jeder Menge Müll aufwarten. Die Passagiere des Metronoms: Büetzer, pubertierende Teenies, lauthals lästernde ältere deutsche Frauen, die sich zu ihrem Sitzplatz vorkämpfen als wenn es kein Morgen gäbe, jüngere Männer mit Migrationshintergrund und nach aussen gekehrtem Aggressionspotential – vieles, was nervt, halt. Wenn diese heterogene Passagierschaft sich und leider auch allen anderen Mitfahrern nicht gerade die Höhepunkte aus ihrer miesen kleinen Welt verbal zum besten gibt, ist sie meistens am Fressen: Döner, Mac Donald’s, Chicken Curry, Hauptsache möglichst penetrant riechend und Hauptsache dabei möglichst laut schmatzen scheint hier die Devise zu sein.
Okay, ich glaube das reicht und es dürfte klar geworden sein, weshalb ich den ICE gegenüber dem Metronom bevorzugte… Noch drei letzte Bemerkungen zur Deutschen Bahn: ja, es gibt deutlich mehr und häufiger Verspätungen als bei der SBB, ja, das Damokles-Schwert des Streiks schwebt hier immerzu über den Bahnhöfen und – zum Schluss doch noch etwas Nettes – die Kontrolleure der Deutschen Bahn sind hier nach meinen Erfahrungen in der Mehrzahl weiblich, jung und gutaussehend. Das ist nicht ein ironischer Versuch, an der deutschen Bahn doch noch ein gutes Haar zu lassen, sondern die Wahrheit! Echt! So, fertig Eisenbahn, jetzt!

Was ist denn hier oben sonst noch anders als bei uns? Ausser der unendlich flachen Landschaft und dem unendlich regnerischen, windigen, rauhen, so genannt „norddeutschen“ Wetter? Wenn wir noch bei der Landschaft bleiben wollen, so hat sich die rot-grüne Ära Schröder hier hunderte und aberhunderte erstaunlich grosse Denkmäler gesetzt: die Windkraftwerke. Sie sind einfach überall, wo man in der Landschaft ausserhalb der Städte hinsieht. Überall…

Zu den Leuten: laut Wikipedia sollen es noch über 3 Millionen sein, die plattdeutsch sprechen. Mir ist nicht einer von ihnen begegnet – da bin ich wohl wieder einmal an meiner Urbanität gescheitert. Nur gelesen habe ich den Dialekt und zwar jeweils beim morgendlichen Jogging: „Kok mal wedder en!“ (Schau mal wieder vorbei!), stand ausgangs der Schrebergarten-Anlage Westerwald… Dennoch finden sich lustige sprachliche Eigenheiten hier oben. Samstag heisst hier Sonnabend, beispielsweise. Okay, das wussten wir vielleicht schon, doch wussten wir auch, dass hier sogar auf den Titelseiten der Tageszeitungen nicht vom Samstag, sondern vom Sonnabend die Rede ist? Ich jedenfalls nicht. Auch interessant: „Moin!“ sagt hier oben einfach jeder und jede und nicht etwa nur bodenständige Klischee-Friesen vom Hauke-Haien-Koog! Auch diesbezüglich war ich falsch gewickelt, dachte ich doch „Moin!“ heisse übersetzt so viel wie „Guten Morgen“. Denkste, die Leute begrüssen sich auch am Abend so und zwar Alt und Jung, cool und uncool usw… Wie vermutlich überall in Deutschland scheint bei Jugendlichen hier die offizielle Anrede „Hey, Alter…“ zu sein, egal ob Männlein oder Weiblein, und ein verbreiteter Ausspruch lautet: „Alter Schwede!“, was so viel wie „Meine Güte“ heissen soll...

Interessant auch der Strassenverkehr. An Hamburgs unglaublicher Dichte an Porsche Carreras, BMW Z4s, Mercedes SL Cabrios und dergleichen erkennt man jedenfalls nicht, dass in diesem Land bedeutend tiefere Löhne bezahlt werden sollen als in der Schweiz. Die Deutschen fahren viel und schnell, die Hemmschwelle zur Hupe liegt substanziell tiefer als bei uns (okay, immer noch deutlich höher als in Süditalien!). Gefährlicher als die Autos sind aber die Fahrräder, von denen es im Stadtverkehr Unmengen gibt. Auch die Radwege sind überaus zahlreich und verlaufen in der Regel direkt auf den Trottoirs, was mich bald zum Schluss kommen liess, dass hier die Wahrscheinlichkeit, von einem Drahtesel überfahren zu werden, bedeutend höher ist als jene, einem Auto zum Opfer zu fallen. Die Fahrräder beharren nämlich in unglaublicher Aggressivität und bisweilen Arroganz auf ihren Wegen, welche alles andere als leicht von den gewöhnlichen Gehsteigen abzugrenzen sind. Disziplin herrscht an den Ampeln: selten der Fussgänger, der bei Rotlicht noch schnell über die Strasse huscht. Es scheint als seien dies die Relikte der preussischen Obrigkeitsgläubigkeit, die hier durchschimmern.

Mein Metronom hat soeben den Agglomerationsbahnhof Hamburg-Harburg passiert, was bedeutet, dass ich in wenigen Minuten in Hamburg eintreffen werde. Es gäbe noch vieles, vieles mehr zu erzählen, doch will es mein Zeitplan, dass ich für diese Geschichtchen (die, die Welt nicht braucht) nicht mehr als diese eine Zugfahrt aufwende.

Ich schliesse mit einer weiteren Verballhornung, die ich hier oben gelernt habe:

Tschüssikowsky!

Dienstag, April 08, 2008

 

SVP-Wähleranteil - Der Tragödie zweiter Teil

Wenn es ums Herunterspielen von SVP-Wahlerfolgen geht, legen gewisse Leute mitunter schon fast bewundernswerte Phantasie und Originalität an den Tag. Bereits im letzten Dezember war ich gezwungen, an dieser Stelle ein paar ganz abstruse Zahlenverdreher auf den Boden der Realität zurückzuholen.

Ähnliches wiederholt sich nun bezüglich Interpretation der SVP-Wahlresultate bei kantonalen Wahlen seit der Blocher-Abwahl vom 12. Dezember 2007 (sie gewann in sämtlichen Kantonen). Während gewisse linke Tageszeitungen abstruserweise trotz Sitzgewinnen von einer Niederlage der SVP ausgehen (Grund: bei den NR-Wahlen im Herbst war der SVP-Wähleranteil NOCH höher als jetzt bei den kantonalen Wahlen), bleibt die mitte-linke, aber vernünftige NZZ bei den Tatsachen.

Die identische Debatte hat sich auch im Mikrokosmos der Kommentar-Ecke meines kleinen Blogs abgespielt und soll im Folgenden anhand chronologischer Auszüge daraus kurz vorgestellt werden (Ja, es handelt sich über weite Teile um einen Comment-Recycling-Post):

Emeidi:
"... Die Wahlen im Berg- und Urchel-Kanton Uri wiederum halte ich nun wirklich nicht für "repräsentativ" für die Gemütslage von Herrn und Frau Schweizer. ..."

Smythe:
"... Betr. Wahlerfolgen hätte ich auch auf den Kanton Thurgau hinweisen können oder Glarus, wo sich ein Sitzgewinn im Regierungsrat abzeichnet..."

Andreas Kyriacou:
"... Die SVP hat in TG, SG und SZ seit dem vergangenen Herbst Wähleranteile eingebüsst, und zwar ziemlich drastisch (wenn auch auf sehr hohem Niveau). ..."

Smythe:
"Im Kanton Bern fanden die Grossratswahlen rund ein Jahr vor den Nationalratswahlen statt. Bei den Grossratswahlen 2006 betrug der Wähleranteil der SVP 27.4%; bei den Nationalratswahlen 2007 lag er bei 33.6%. Wieso folgerte (nach gleicher Logik) aus diesen Zahlen kein Tagi-Journalist, die SVP sei massiv auf dem Vormarsch? Fakt ist: Wähleranteile von kantonalen Wahlen lassen sich nicht 1:1 mit denen von eidgenössischen Wahlen vergleichen. Unterschiedliche Wahlverfahren, unterschiedliche Anzahl Listen, unterschiedliche Wahlkreise und unterschiedliche Listenverbindungen gilt es zu berücksichtigen. ..."

gugus-dada:
"Wahlerfolg dieses Wochenende? Ach was, im Gegenteil! Thurgau: gemessen an den NR-Wahlen 2007 (und diese gelten hier als Referenzpunkt, logo!) Rückgang um 7 Prozentpunkte. ..."

Smythe:
"Hmmm, die NZZ (bekanntlich alles andere als eine Blocher-freundliche Zeitung!) sieht die Sache mit den Wähleranteilen auf Seite 33 ihrer heutigen Ausgabe etwas anders... Meinem Hinweis im obigen Kommentar entsprechend stellt sie klar, dass man Äpfel mit Birnen vergleicht, wenn man bezüglich Wähleranteilen kantonale mit eidgenössischen Wahlen vergleicht und daraus einfach-gestrickte Schlüsse zieht. Treffend weist sie darauf hin, dass der SVP-Anteil in den kantonalen Parteien noch nie so hoch war wie heute. Und, noch interessanter: dass der Wähleranteil der SVP (auch jener der SP) kantonal in den letzten Jahren IMMER deutlich und konstant unter dem eidgenössischen Gesamtanteil lag (bei CVP und FDP lag er übrigens konstant darüber). Entsprechend stellen die im Vergleich zum Herbst 07 tieferen Werte nicht ein Absacken, sondern vielmehr ein langsameres Nachvollziehen des eidgenössischen Trends dar. "

"Kommentare, welche in diesen Zahlen den Anfang vom Niedergang der SVP zu erkennen glauben, gehören in die Schublade des lieber-schreiben-wie-man's-gern-hätte-als-schreiben-wie-es-ist-Journalismus und sind letztlich nichts als die Durchhaltepropaganda frustrierter Wahlverlierer und linker Journalisten. Aber ich verstehe natürlich, dass besagte Journalisten (noch Angestellte wie auch bereits Arbeitslose und in die Blogosphäre verbannte ;-) ) derartige Zahlenspielchen gerne aufnehmen...Wie oben bereits gesagt, kann ich die Jungs dennoch beruhigen: So lange der Mönch zwischen dem Eiger und der Jungfrau steht, wird in diesem Land KEINE Partei - auch die SVP nicht - einen Wähleranteil von 50% erreichen, d.h. früher oder später wird die von gewissen Teilen so herbeigesehnte Stagnation der SVP schon kommen. Niemand kann 15 Jahre lang (abgesehen von geringen lokalen Einbussen) in allen Wahlen immer nur gewinnen. Niemand."

Anstatt diesen Moment aber krankhaft und stets erfolglos (muss ja echt frustrierend sein) und mit derart abwegigen Begründungen herbeischreiben zu wollen, empfehle ich diesen Jungs, doch einfach noch ein paar Töpfer-Kurse zu besuchen, ein paar Platten Manu Chao oder Bob Dylon zu hören, ein paar mal nach Kuba zu reisen, kurz: abzuwarten und (Grün-)Tee zu trinken und sich dann, wenn der Moment ganz von alleine eingetreten ist, schlicht und einfach darüber zu freuen... Na, wär das was?

Sonntag, April 06, 2008

 

Widmer-Schlumpf-Rücktrittsforderung undemokratisch?

Zur Mitverfolgung des aktuellen Tagesgeschehens bediene ich mich von meinem norddeutschen Exil aus in der Regel der online-Ausgabe der NZZ. Gelegentlich kommen noch 20min und (vermutlich aus Heimweh) der gute alte Teletext zum Zuge. In der gegenwärtig alles in den Schatten stellenden Debatte um die causa Widmer-Schlumpf ist sich die vereinigte Schweizer Medienschar offenbar wieder einmal verdächtig einig. Der Grundtenor:

Die böse, böse SVP erweist sich als schlechte Verliererin der Bundesratswahlen und will die arme, rechtschaffene (und jetzt auch noch von Morddrohungen betroffene) Bundesrätin aus Regierung und Partei ausschliessen. Dies tut die SVP selbstverständlich ohne jeglichen nachvollziehbaren Grund und (wie könnte es auch anders sein?) in menschenverachtender Art und Weise...

Was ich an der Debatte besonders stossend finde: selbst so genannte Experten behaupten immer wieder, die Rücktrittsforderderung sei in schwerster Weise undemokratisch. Dem ist nicht so! Undemokratisch wäre es, wenn die Rücktrittsforderung am 13. Dezember 2007 aufgetaucht wäre. (Damals wurde aber lediglich der Fraktionsausschluss beschlossen, was doch völlig nachvollziehbar ist, wenn eine Bundesrätin zwar von den ärgsten politisichen Gegnern - SP und Grünen - einstimmig gewählt wird, gleichzeitig aber nicht einmal von einer Minderheit der eigenen Partei portiert und/oder gewählt worden war.) Der demokratische Entscheid der Wahl-Widmer-Schlumpfs hingegen wurde von der SVP damals (wenn auch zähneknirschend und unter vielleicht etwas zu lautem Protest) akzeptiert. Von einer Rücktrittsforderung war damals aber nie ernsthaft die Rede. Weil es sich eben um einen demokratischen Entscheid handelte.

Gewendet hat sich das Blatt erst etwas mehr als 3 Monate später, nachdem GANZ entscheidende Details zu den Hintergründen der Wahl im bekannten SF-Film an die Öffentlichkeit gelangten. Nun war klar, dass der Wahl von Widmer Schlumpf ein geheimer Plan, geschmiedet von Exponenten der CVP und der SP, vorausging und dass in diesen Plan (in welchem Ausmass sei einmal dahingestellt) auch Widmer-Schlumpf vorgängig eingeweiht worden war, während sie nach aussen aber das Bild vermittelte, "aus heiterem Himmel" gewählt worden zu sein. Ausserdem macht der Film klar, dass Widmer-Schlumpf ihre Parteileitung frontal angelogen hat, als sie diese im Glauben liess, dass sie eine Wahl niemals annehmen würde. Der "Geheimplan" nämlich konnte nur deshalb funktionieren - ja überhaupt zustande kommen - , weil die Gegner von der Annahme durch Widmer-Schlumpf ausgehen konnten. Dies war quasi die unverzichtbare Konstante in der Formel, auf welcher der politisch zugegebenermassen geschickte Schachzug der Blocher-Abwahl gründete. Geliefert wurde diese Konstante gezwungenermassen von Widmer-Schlumpf persönlich (und zwar höchstwahrscheinlich via den im Geheimplan involvierten Andrea Hämmerle).


In der Juristerei kennt man die clausula rebus sic stantibus. Bei gravierender, unvorhersehbarer Veränderung der Verhältnisse können Verträge mittels dieses Instruments abgeändert werden. Die Umstände haben sich nach Ausstrahlung des Films verändert und zwar massiv. Es wurde klar, dass Widmer-Schlumpf den Interessen von ca. 99% der SVP-Wählenden vorsätzlich zuwider gehandelt hatte. Warum sollte es undemokratisch sein, sie jetzt nach Kenntnis des offensichtlich unmoralischen, bewusst parteischädigenden Verhaltens zum Rücktritt aus dem Bundesrat, dem sie als SVP-lerin anzugehören für sich beansprucht, aufzufordern? Auffordern, wohl bemerkt, und nicht zwingen. Lässt es eine Demokratie nicht zu, einen Magistraten öffentlich zu etwas auffzuordern? (Wie oft wurde Blocher während seiner Amtszeit von seinen zahlreichen politischen Gegnern zum Rücktritt aufgefordert?!) Widmer-Schlumpf braucht sich ganz abgesehen davon selbstverständlich nicht an die Aufforderung zu halten.

Ebensowenig vermag ich zu erkennen, was daran undemokratisch sein sollte, wenn die Partei - juristisch korrekt und mit Zustimmung der grossen Mehrheit ihrer Mitglieder - den Parteiausschluss von Widmer-Schlumpf zu erreichen versucht (notfalls via Ausschluss und Neugründung der Bündner Sektion)...

Übrigens: in den Medien wurde häufig behauptet die ganz grosse Mehrheit der Bevölkerung goutiere das Vorgehen der SVP Schweiz in der causa Widmer-Schlumpf nicht. Von über 80% Zustimmung zu Widmer-Schlumpf war bisweilen die Rede. Wie erklären sich dann bitte die erneuten Wahl-Erfolge dieses Wochenendes? Wann endlich lernen auch linke Journalisten, dass sie die Dinge lieber so beschreiben sollten wie sie sind, als so, wie sie sie gerne hätten...?

 

Konrad Hummler rules!

Konrad Hummler, Teilhaber der Privatbank Wegelin & Co, ist einer der wenigen Exponenten der Schweizer Wirtschaft, welcher sich löblicherweise - obwohl kein politisches Mandat innehabend und meines Wissens ohne Parteimitgliedschaft - immer wieder auch zu politischen Fragen äussert. Und dies nicht nur via die berühmten Anlagekommentare von Wegelin (welche meines Erachtens alle vergleichbaren Mitteilungsorgane an Witz, Prägnanz und Originalität weit übertreffen).

Auch wenn ich ihm für einmal nicht in allen Aussagen zustimmen kann, hat er sich bezüglich origineller und interessanter Anregungen in diesem Interview wieder einmal selbst übertroffen. Hier eine kurze Zusammenfassung der wichtigsten Thesen:


Übrigens: Ich gebe es ja zu. Als Privatbankier ist Hummler rein objektiv nicht gerade die glaubwürdigste und am wenigsten befangene Person, wenn er behauptet die Verteidigung des Bankgeheimnisses sei für die Schweiz eine Existenzfrage...


Montag, März 31, 2008

 

Lasst sie doch einfach weiter schlumpfen!


Nachdem ein Rechtsgutachten ergeben hat, dass ein Parteiausschluss Widmer-Schlumpfs auf nationaler Ebene nicht möglich ist, will die neue Parteileitung den Ausschluss nun via Druck auf die Bündner Kantonalsektion erreichen.
Gemach, Gemach! Schon vergessen, dass derart ultimatives Vorpreschen letztlich kontraproduktiv sein dürfte? (Beispiel: Die unnötig aggressive "Erpressung" im Vorfeld der Bundesratswahlen produzierte die entscheidenden Abweichler für die Abwahl Blochers.)
Konrad Hummler, der originelle Querdenker, dem ich (hoffentlich) meinen nächsten Blog-Eintrag widmen werde, weiss, welche Strategie die SVP im Umgang mit Widmer-Schlumpf verfolgen sollte:

„Ich würde Widmer-Schlumpf nicht ausschliessen, und zwar aus taktischen, nicht prinzipiellen Gründen. Sie dürfen keine Opfer produzieren in der Politik. Sonst haben Sie einen unangreifbaren Gegner geschaffen. Die Politikerin sollte aufs Unerbittlichste überwacht und kritisiert werden.“

Die SVP-Strategen sollten sich Hummlers Worte zu Herzen nehmen. Könnte die Partei ihren politischen Gegnern einen schöneren Steilpass zuspielen als den Parteiauschluss? Dann nämlich gefiele sich Widmer-Schlumpf – von den (linken) Medien bereitwillig unterstützt – in der Opfer-, ja Martyrer-Rolle, was jeglicher Kritik an ihr den Wind aus den Segeln nehmen würde…

Übrigens: Falls jemand noch immer ernsthaft an der Machtgier, Karriere-Besessenheit, Hinterhältigkeit und Unredlichkeit, kurz: dem Verrat Widmer-Schlumpfs zweifeln sollte, falls jemand immer noch an ihr Märchen glauben sollte, wonach sie am Morgen des 12. Dezembers „aus heiterem Himmel“ wie die Jungfrau zum Kinde gewählt worden sei und sich „spontan“ und allein „zum Wohle der Partei“ für die Annahme der Wahl entschieden habe, dem sei der mittlerweile berühmte SF-Film empfohlen. Ich persönlich fürchte, dass ich dieser Person in ewiger Unverbundenheit undankbar sein werde…

Montag, März 17, 2008

 

Mit 5 Liter Beck's durchs Wattenmeer

Da ich dermassen freundlich gebeten wurde, doch etwas über meinen Norddeutschland-Aufenthalt zu berichten... Ein Bild sagt bekanntlich mehr als 1000 Worte:




Wattenmeer bei Otterndorf (Nähe Cuxhaven) am Samstag, 15. März, 15.00 Uhr (Ebbe), Lufttemperatur: 8°C, Wassertemperatur: 3°C, Biertemperatur (Beck's): 5°C...

Sonntag, März 09, 2008

 

Danke Gerold!


Wenn er spricht - so wurde mir berichtet -, bekommen junge HSG-ler glänzige Äuglein. Von mir und politisch ähnlich Gesinnten seit längerer Zeit als "der beste FDP-ler überhaupt" bezeichnet, macht der Präsident von Economiesuisse seinem Image wieder einmal alle Ehre.
Mein eigentlicher Senf zum Steuerstreit soll später folgen. Dafür bleibt hier Gelegenheit für etwas Pathos:

Nachdem die germanischen Raubritterhorden den Rubikon überschritten, ihren erbarmungslosen Belagerungsring um die Steuerfestung Schweiz errichtet haben und gegenwärtig versuchen, sich mit weiteren Stämmen aus dem europäischen Umland zu verbünden, ziehen die Belagerten nun endlich - spät aber entschlossen - in den Abwehrkampf . Allen voran Schlachtross Gerold Bührer.


Die Vorgehensweise, via NZZ und (vor allem) FAZ einen offenen Brief an den deutschen Finanzminister zu schreiben, ist ungewöhnlich, könnte aber genau deswegen einen wirksamen Beitrag zur Verteidigung liefern. Bührer ist sich indessen bewusst:

Die Auseinandersetzung mit der EU wird lang und hart sein. Die Schweiz ist aber derart eindeutig im Recht, dass wir aus staatspolitischer Räson nicht nachgeben dürfen

Das erinnert schon fast an Churchills Blut-Schweiss -und-Tränen-Rede. Churchill sollte am Ende Recht bekommen. Bührer hoffentlich auch...

Merci, Geri, du bisch e geile Siech!

Donnerstag, Januar 24, 2008

 

Emeidi im Gemeinderat

Von verschiedenster Seite wurde ich in den letzten Tagen gefragt, wie denn meine Meinung zur Wahl des Ötzels aka Emeidi aka Mario Aeby in die Neuenegger Exekutive sei. Muss man denn immer zu allem eine Meinung haben?!

Aber bitte, hier kommt mein Statement. Um allfälligen Kritikern den Wind aus den Segeln zu nehmen gleich vorweg: Als politisch interessierter (wenn auch nicht aktiver) junger Bürger von Neuenegg, nehme ich diese Meldung – ich gebe es zu – nicht ohne Neid zur Kenntnis. Dennoch: vorab herzliche Gratulation und Chapeau!

Viele Zeugen werden bestätigen können, dass ich des Ötzels Einzug in den Gemeinderat bereits vor Jahren vorausgesagt hatte. Im Zeitpunkt indessen trompierte ich mich um ein Jahr. Ich ging damals davon aus, dass ihm dieses Husarenstück erst bei den nächsten ordentlichen Gemeinderatswahlen (als Kumulierter auf der vorgedruckten SP-Liste) gelingen würde... Nichtsdestotrotz erlaube ich mir, zur Feier des Tages wenn nicht eine eigentliche Meinung, so doch ein paar lose, kritische Gedanken in den Raum zu stellen.

Nachgerückt
Zunächst scheint es mir etwas übertrieben, wenn hier immer von einer „Wahl“ gesprochen wird. „Nachrücken“ finde ich passender. Bei den Lobeshymnen über den Einzug eines jungen Sozis in den Neuenegger Gemeinderat, die es zumindest in einigen roten Stuben sicher geben dürfte (erstaunlicherweise konnte ich in unseren Tageszeitungen noch nichts derartiges finden), könnte leicht vergessen gehen, dass der Gewählte bei den Gemeinderatswahlen im Jahr 2004 mit 324 Stimmen klar den letzten Platz der SP-Liste belegte, zumal SP-Wähler erwiesenermassen die Listen-treusten Wähler sind (d.h.: wessen Name auch immer auf der Neuenegger SP-Liste steht, er/sie hat einen Sockel von 200-300 Stimmen auf sicher, bei Kumulierung sogar das Doppelte). Warum also wird unser Genosse trotz letztem Platz bei den Wahlen nun Gemeinderat? Nun, das Nachrücken kam allein deshalb zu Stande weil die beiden vor ihm platzierten Daniel Mauerhofer und Claudia Niederhauser-Bolt (freiwillig) auf das Amt verzichteten.

Wahl als „logische Folge“ oder als politischer Schachzug der SP-Parteileitung?
Die amtierende SP-Gemeinderätin, Finanzdirektorin Susanna Witschi, gab per Ende 2007 ihren sofortigen Rücktritt aus dem Gemeinderat bekannt. Eine Begründung für ihren Rücktritt sucht man in der Mitteilung vergeblich. Sicherlich mögen Frau Witschi zahlreiche Gründe dazu bewogen haben, das letzte Amtsjahr einer - Irrtum vorbehalten - über 11-jährigen Amtszeit nicht mehr zu absolvieren. Hehre und weniger hehre Gründe, solche, die man nach aussen kundtun kann und solche, bei denen man das in der Politik niemals tut. Zu Letzteren könnte zum Beispiel dieser gehören: politisches Kalkül. Man erinnere sich an das Jahr 1999 als die CVP auf Bundesebene erneut Parlamentssitze zu verlieren drohte und daher um ihren zweiten Bundesratssitz fürchten musste. Just ein halbes Jahr vor den Wahlen gaben die beiden CVP-Bundesräte Cotti und Koller ihren Rücktritt aus „persönlichen Gründen“ bekannt und sicherten der CVP damit (vorübergehend) den Fortbestand ihrer ungerechtfertigten Doppelvertretung. Was hat das mit Neuenegg oder dem Ötzel zu tun?, wird sich der geneigte Leser zu Recht fragen. Nun, weniger als ein Jahr vor den nächsten Gemeinderatswahlen (Herbst 2008) gibt Susanna Witschi aus heiterem Himmel ihren Rücktritt aus dem Gemeinderat bekannt. Ein Schuft, wer auch nur in Betracht zu ziehen wagt, dass auf die Dame von der SP-Parteileitung sanfter Druck ausgeübt worden sein könnte. Druck etwa, ihren Sessel zu räumen und dem Neuen damit zu ermöglichen, bei den nächsten Wahlen mit dem Prädikat "bisher" anzutreten, was gemeinhin als Wiederwahl-Garantie gilt. A propos Parteileitung: der Vorstand der SP Neuenegg besteht zu 40% aus Mitgliedern der Familie Aeby. Aeby senior ist meines Wissens beim Versuch gescheitert, in den Gemeinderat gewählt zu werden. Hat hier etwa der Vater dem Sohnemann (via parteiinternes Machtspiel) ermöglicht, was seiner selbst verwehrt worden war? Wir werden es wohl nie erfahren…

In der Höhle des Löwen?
Etwas zu denken gibt auch dies: Genosse Özel nimmt nun in einem Gremium Einsitz, in welchem mehr als 55% der Mitglieder, nämlich 5 von (noch) 9 Gemeinderäten (inklusive des Präsidenten) der SVP angehören. Damit sieht er sich mit einer absoluten Mehrheit von SVP-lern konfrontiert. Leuten also, die einer Partei angehören, welche auf think emeidi wiederholt als Partei von unterbelichteten, schlecht gelaunten, chronisch neidischen, frustrierten Hinterwäldlern dargestellt wurde. Immer und immer wieder bezeichnet er ihre Mitglieder als fremdenfeindlich, rassistisch, faschistoid und rückt sie zumindest in die Nähe der Nazis. Schon ein oberflächlicher Streifzug durch Emeidis Blog-Archiv liefert da so einiges zu Tage:



"...Ist das auf der SVP Schweiz-Homepage anzutreffende Ehepaar wirklich das Idealbild der Partei? So jung, dynamisch, erfolgreich? Vor allem: Glücklich? SVP-Mitglieder sind mir eher als stetig schlecht gelaunt bekannt, die sich benachteiligt, hintergangen fühlen, von Neid erfüllt, dass der Nachbar "mehr" (von was auch immer) hat als sie selber."



"...Aus persönlichen Erfahrungen in meinem Freundeskreis kann ich ohne weiteres sagen, dass die Basisklientel der SVP diejenigen sind, die sich andauernd, überall und von jedem hintergangen und benachteiligt fühlen (s. auch den sonntäglichen Beitrag über FDP Neuenegg). Es ist für diese Leute überaus charakterisierend, dass sie ganz genau zu wissen pflegen, wer was besitzt und dies eigentlich gar nicht dürfte. Wider der Meritokratie!"



"Ich möchte weder den Mahnfinger erheben, noch öffentlich "alte" Geschichten aus unserem nördlichen Nachbarland wiederkäuen - doch mit genau solchen Attacken zeigen die Mitglieder dieser Partei [der SVP, Anm. d. R.] ihren wahren Kern. Eines ist dem Schema immer gemein: Man drischt unaufgefordert auf Andersdenkende und Schwache los. Aus einer überheblichen und arroganten Warte aus nimmt man alles ins Visier, was nicht in das schöne, konservative Weltbild passt. Wie bei Bush: Wer nicht mit uns, ist gegen uns. Bisher haben darunter zwar nur Ausländer, Asylbewerber, ukranische Raub- und Mörderbanden, Scheininvalide, Sozialschmarotzer, EU-Freunde, etwa alle zur Zeit amtierenden Bundesräte usw. usf. gelitten. Ich war somit noch nie direkt davon betroffen. Doch für mich sind genau diese Aktionen der grosse Mahnfinger, der über dieser populistischen Partei schwebt: Schau an, wie sie ihre Feinde behandeln, und sei dir bewusst, dass du ohne weiteres sehr schnell zu ihren Feinden werden kannst. Na dann Feierabend!"



Der Beispiele liessen sich noch viele auflisten. Der arme Ötzel dürfte sich von nun an also vor jeder Gemeinderatssitzung zu Tode fürchten. Gaaanz bestimmt werden die frustrierten, unterbelichteten Nazi-Sympathisanten unaufgefordert auf ihn, den Schwachen und Andersdenkenden eindreschen bis dass sich die Balken des Sitzungszimmers biegen... Spass beiseite: interessant wäre zu sehen, wie viel von diesem bisweilen unter der Gürtellinie angesiedelten, linkspopulistischen Gepoltere in seinen Wortmeldungen hängen bleibt, wenn er den derart Verhöhnten an Gemeinderatssitzungen Auge in Auge gegenüber sitzt...

Wie die Jungfrau zum Kinde oder knallharte politische Karriereplanung?
Vor einiger Zeit zeigte uns Genosse Ötzel, dass er von den politischen Karrieren gewisser Jungpolitiker durchaus aufmerksam Notiz nimmt ("a guy called Bernhard Eicher"), was doch stark darauf hindeutet, dass er selber einer entsprechenden Karriereplanung ebenfalls zugetan ist. Auch die despektierlichen Aussagen über die "rosige" politische Zukunft des ehemaligen Neuenegger FDP-Gemeinderats Richard Bächler fielen auf. Auf eine Planung hin deutet auch seine mit typischen Politiker-Floskeln geschwängerte Rede an der Jungbürgerfeier (der SP-Vorstand - schon wieder... - durfte turnusgemäss den Redner stellen) sowie die Tatsache, dass in den vergangenen 2 Jahren keine Gemeindeversammlung verstrich - und waren die Traktanden noch so unspektakulär -, ohne dass Genosse Ötzel mittels Wortmeldung auf sich aufmerksam machte. (Die Voten indessen liessen wenig von der spitzen Feder erkennen, die man sonst aus seinen politischen Blog-Beiträgen kennt, ihre rhetorische Qualität war nach Augenzeugen-Berichten mässig.) Was will ich damit sagen? Eigentlich nichts. Politische Karriereplanung ist durchaus legitim. Es musste nur mal erwähnt werden.



So, liebe Fragende, die Ihr mich nach meiner Meinung gefragt habt, ich denke, das genügt fürs Erste. Zu einem späteren Zeitpunkt werde ich an dieser Stelle - so Gott will - über den Leistungsausweis des neuen Neuenegger Finanzministers berichten...

Samstag, Januar 05, 2008

 

Mein Leserbrief im Bund

Zum Neujahr fand ich Zeit, die Silvesterausgabe des Bunds zu lesen. Spontaner Unmut und genügend Zeit veranlassten mich dazu, begleitet von den Klängen des Wiener Neujahrskonzerts, einen Leserbrief zum mir wenig genehmen Leitartikel des Chefredaktors zu verfassen. Der Leserbrief wurde zu meinen Entzücken in der Ausgabe vom 4. Januar in voller Länge publiziert:

"Bei der Lektüre musste ich mich bisweilen fragen, ob ich hier wirklich die Rückschau einer «unabhängigen liberalen Tageszeitung» lese oder ob ich stattdessen eine sozialdemokratische Propagandazeitschrift vor mir habe. Die fehlende Mitgliedschaft der Schweiz in der EU wird bedauert; Gegner des Beitritts – so wird zumindest suggeriert – würden ihr Land als «in sich abgeschlossenes, abgeschottetes Gebilde» verstehen.

Beim Militär müsse selbstverständlich weiter gespart werden. Dies mag durchaus zutreffen. Dass die öffentlichen Haushalte aber mehr als das Fünffache für soziale Wohlfahrt oder Gesundheit ausgeben und dass in Anbetracht eines riesigen, stetig wachsenden staatlichen Schuldenbergs auch hier an Sparmassnahmen zu denken wäre, wird mit keinem Wort erwähnt. Dafür lässt sich der Autor umso heftiger zu einer Tirade gegen den schweizerischen Steuerwettbewerb hinreissen.

Weiter wird getreu der (erfolglosen) sozialdemokratischen Wahlkampfmaxime, primär Politik gegen Blocher und seine Partei zu betreiben, für die «Erosion des Schweizerischen» mit aller Selbstverständlichkeit in erster Linie die SVP verantwortlich gemacht. Als Opfer der von Samuel Schmid beklagten zunehmenden Anpöbelungen und Morddrohungen werden sodann scheinbar zufällig lediglich die der SVP aus nachvollziehbaren Gründen wenig genehmen Eveline Widmer-Schlumpf und Lucrezia Meier-Schatz genannt, obwohl Schmid in seiner Mitteilung doch ausdrücklich betonte, sämtliche Mitglieder der Regierung seien mit dieser Problematik konfrontiert. Dabei werden Klischees bedient, die – wie eingangs erwähnt – im Stil eher einer Propagandaschrift denn dem Leitartikel einer neutralen Tageszeitung ähneln: Die SVP erhebe einen «Alleinvertretungsanspruch für das Volk», wolle «die Schweiz wieder verbarrikadieren», sei fremdenfeindlich und «akzeptiere den politischen Gegner nicht mehr als Menschen».
Von einer Zeitung wie dem «Bund» würde ich mir für das neue Jahr zugunsten nüchterner Sachlichkeit etwas weniger ideologisch gefärbte Leitartikel wünschen."

Lustig: mein Beitrag befindet sich zwischen zwei Leserbriefen, welche sich als (linke?) Gesinnungsgenossen des Chefredaktors entlarven. Für die Leserschaft des Bunds - finde ich - entsteht ein Gewinn, wenn die Reaktionen auf den Leitartikel nicht durchwegs zustimmender Art sind.

Montag, Dezember 31, 2007

 

Auf Casanovas Spuren: Tricks des Stelzmasters

"Die Beine einer Frau sind das erste, was ich beiseite schiebe, wenn ich ihre Schönheit beurteilen will..."

Giacomo Girolamo Casanova Chevalier de Seingalt
(ital. Abenteurer u. Schriftsteller, 1725 - 1798)




Von ihm könnte sich selbst der oben zitierte Casanova noch eine Scheibe abschneiden... Wurde auf diesem Planeten jemals in höherer Vollkommenheit eine Dame umworben, als es uns der oben abgebildete Protagonist auf so unwiderstehliche, unnachahmliche, gnadenlos vollkommene, oft kopierte und doch niemals erreichte Art und Weise wieder einmal demonstriert?


Dass wir des Grossmeisters Handwerk höchstens nachahmen, in seiner Perfektion aber niemals erreichen können, soll uns nicht kümmern. Allein, vom Meister lernen zu dürfen ist der Gnade eigentlich schon fast zu viel... Nehmen wir also die Technik des Unvergleichlichen etwas genauer unter die Lupe:

Angefangen bei der gekonnten Positionierung des Oberkörpers, welcher in einem Winkel von exakt 45° Richtung des Objekts der Begierde gedreht wird. Der rechte Arm wird mit geballter, jedoch nicht verkrampfter Faust im rechten Winkel auf die Hüfte gestützt. Der linke Arm hingegen wird lasziv locker auf die Theke gelegt: Nicht unanständig aber dennoch gekonnt provokativ... Abgerundet wird das Ganze durch ein lockeres Schnippen mit der den Thekenrand überragenden linken Hand, im Rhytmus des erhöhten Pulses, womit letztlich Kopf, Schultern, Arme und Hände ein stilvolles Ganzes bilden.

Im Bild nicht vollständig ersichtlich und dennoch nicht minder wichtig: die "Beinarbeit". Während das rechte Bein als Standbein stramm und fest für die Standfestigkeit und Unbestechlichkeit des Eroberers "steht", wird das linke Bein in krassem Gegensatz dazu betont locker darüber geschlagen, leicht angewinkelt, lediglich mit den Fussspitzen den Boden berührend. Dadurch wiederum manifestiert sich die Leichtigkeit des Seins, mit welcher unser Meister das schwache Geschlecht bleibend beeindruckt. Unverzichtbares Détail: der Telekommunikationsapparat (vorzugsweise neuerer und edler Prägung) ragt dabei - scheinbar zufällig, in Wahrheit wohl durchdacht - gut erkennbar aus der vorderen rechten Hosentasche.

Last but not least: der Augenkontakt. Man beachte den unglaublich durchdringenden, dabei aber keineswegs aufdringlichen, sondern gewohnt lockeren, charmanten, von einem schelmischen Siegerlächeln sekundierten Blick, mit welchem es dem Grossmeister scheinbar spielend gelingt, das Gegenüber in seinen Bann zu ziehen. Hier ist - das müssen wir neidlos anerkennen - ein 100%-iger Profi am Werk. Seien wir dankbar, von ihm lernen zu dürfen...

PS: Kleines Communiqué im Auftrag des Grossmeisters: er hat (wieder einmal) einen neuen Blog eröffnet. Wegen gegenwärtig grosser Stelzaktivitäten wird der erste Eintrag aber erst im neuen Jahr erfolgen. In der Zwischenzeit wünscht er seinen Jüngern einen guten Rutsch!


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