Sonntag, April 30, 2006
Blue Flames!

Samstag, April 29, 2006
Schwule Kritik der Mister Schweiz Kandidaten
Michael Burren

«Um höflich zu bleiben: Igitt, igitt! Oder in Zahlen: H5N1. Sorry, liebe Vögel, wir meinten natürlich die Maul- und Clownseuche.»
Julian Lichtsteiner

«Britney Spears nach einer Geschlechts-OP.»
August Wick

«Mit einem peruanischen Panflötenspieler vergleichbar. Sieht aus wie Bill Kaulitz, der Sänger von Tokio Hotel, in zehn Jahren.»
Tja, diese Experten werden ja wissen, wovon sie sprechen. Auch wenn ich das eigentlich sein lassen wollte. Hier trotzdem noch meine (nicht näher begründete) Prognose. Mister Schweiz 2006 wird entweder Tobias Brunner, Junior Batumana Manizao oder Raphael Keller.
3er-BMW bestes Auto der Welt!

Darud, Wahli, Don Lo, Master B., Bertogg, meine Cousine Sandra und - in gewisser Weise- auch mich und Kollege Torquenstein wird es freuen: Der neue 3-er von BMW wurde von einer hochkarätigen Fachjury in New York als die "bedeutendste Modellneuheit des Jahres 2006" ausgezeichnet. Die Experten scheinen sich vom bisweilen negativen Image einer wohl unfreiwilligen Zielgruppe dieses Modells nicht beirren zu lassen...
Die Zukunft gehört den ETFs
[...]
Es ginge billiger, einfacher - und rentabler. Man investiere
von Anfang an in den Index. Dann braucht man keinen Portfoliomanager, sondern
man kann gleich einen Indexfonds kaufen, den die Banken ja auch anbieten;
allerdings verrechnen sie auch da Gebühren, oftmals etwas versteckt. Also muss,
wer knallhart auf Rendite aus ist, die Beratung sowohl der Gross- wie auch der
Privatbanken meiden - und sein Erspartes direkt in Indexaktien investieren, in
sogenannte ETFs (Abkürzung für Exchange Trade Funds), bei denen die jährlichen
Gebühren nur ein halbes Prozent oder noch weniger betragen, die völlig
transparent sind und für die es inzwischen auf (fast) allen möglichen Indexarten
ein wohlfeiles Angebot gibt, ob Rohstoffe, Immobilien, was auch
immer.
[...]
"ETF" gehört vielleicht nicht zum gängigen Vokabular der
Normalanleger - noch nicht. Aber Vortragsreisende wie Erwin Heri raten ihrem
Publikum seit einiger Zeit dringend: "Kaufen Sie Index-Produkte!" Was beim
Klavierspielen oder beim Eiskunstlaufen extrem mühsam wäre, wird beim
Geldanlegen nämlich kinderleicht: "Ohne eine Stunde Übung kann jede Person so
gut sein wie die Profis im Durchschnitt."
Tja, warum also noch in einen teuren Anlagefonds investieren, wenn über die Hälfte von diesen letzlich schlechter als der Markt abschneiden?! Dann doch lieber von Anfang an mittels ETF schlicht und einfach einen Index nachbilden und dafür kaum Fondsgebühren blechen. Dazu ein kleines Fallbeispiel: Angenommen anno 1925 hätte es die Möglichkeit eines ETFs auf den SPI (Swiss Performance Index) bereits gegeben. Hätte man in diesem Jahr 2000 Fränkli in diesen SPI-ETF investiert, wären daraus bis heute - trotz Schwarzem Freitag, Weltkrieg, Öl-Schocks und New Economy-Bubble - sage und schreibe 1,1 Mio Franken (inflationsbereinigt immer noch Fr. 180'000.-) geworden...
Donnerstag, April 27, 2006
Deiss geht!
Surprise, surprise!Im Militär ist man ja u.a. auch informationsmässig meistens im Rückstand. Daher habe ich erst heute Abend mitbekommen, dass Joseph Deiss seinen Rücktritt aus dem Bundesrat bekannt gegeben hat. Offenbar hat er seine eigene Partei damit genauso überrascht wie auch mich.
Doris kommt
Ich freue mich über diesen Entscheid. Schliesslich kann es mit der neuen CVP-Vertretung im Bundesrat (welche so gut wie sicher Doris Leuthard heissen wird) eigentlich nur besser werden. Doch dazu dann im Juli, wenn Joseph definitiv von der Bühne tritt.
Die Ringier-Marionette
Keine Freude am Rücktritt wird der Ringier-Konzern haben. Dieser verliert mit Deiss nämlich einen treuen Helfer - seine Marionette sozusagen. Unvergessen wie Joseph vor vier Jahren als Reaktion auf eine (erlogene) Blick-Kampagne den zwar exzentrischen aber erfrischend und unschweizerisch aktiven Botschafter Thomas Borer aus seinem Amt katapultierte. Zudem verliert der Bundesrat mit Deiss auch seinen grössten Euro-Turbo (ja, davon gibt es hier auch nach Annahme der Bilateralen I + II und nachdem die Schweizer Wirtschaft wieder stärker wächst als diejenige der EU immer noch zu Hauf).
Mann ohne Format
Vor allem aber verliert der Bundesrat mit Deiss einen Vertreter jener fiktiven überparteilichen Vereinigung, welche von Blocher einmal verächtlich als WWP ("Wischi-Waschi-Partei")bezeichnet wurde. (Damals war Blocher noch nicht Bundesrat und durfte solch politisch unkorrekte Dinge noch sagen.) In seiner 7-jährigen Amtszeit zeichnete sich Deiss nämlich vor allem dadurch aus, sich durch nichts richtig auszuzeichnen. Was meine ich damit? Deiss war stets darauf erpicht, es immer möglichst allen recht zu machen. Dabei fehlte ihm insbesondere die Fähigkeit, auch einmal Nein zu sagen. Wenn dann doch einmal jemand gegen ihn opponierte, war das für ihn das Allerschlimmste. In diesem Sinne dürfte sein plötzlicher Rücktritt auch Ausdruck davon sein, dass in der CVP offenbar Bestrebungen im Gang waren, ihn zum Rücktritt aufzufordern.
Und die Frauen?
Aus feministischer Sicht muss frau sich nun vor allem die Frage stellen, warum der 60-jährige Deiss nicht schon vor 2 Jahren zu Gunsten der jungen (und meiner Ansicht nach übrigens zu den hübschen Politikerinnen zählenden) Ruth Metzler zurückgetreten ist...
Sonntag, April 23, 2006
Big in Japan?

Der tiefe Fall
Dezember 1989. In Japan erreicht der Nikkei 225 Index (TYO) mit unglaublichen 38'915 Punkten sein absolutes Allzeithoch. Gemessen an ihrem Börsenwert waren zu diesem Zeitpunkt nicht weniger als 7 japanische Unternehmen unter den Top Ten der wertvollsten Unternehmen weltweit (NTT, Industrial Bank, Sumitomo Bank, Fuji Bank, Dai-Ichi-Kangyo, Mitsubishi Bank und Tokyo El. Power). Danach folgte der tiefe Fall. Ausgelöst durch das Platzen einer Spekulationsblase im massiv überteuerten Immobiliensektor, stürzte das Land der aufgehenden Sonne in seine tiefste Wirtschaftskrise seit dem zweiten Weltkrieg. In nur einem Jahr hatte der Nikkei bereits die Hälfte seines Werts eingebüsst. Im folgenden Jahrzehnt setzte sich der Abstieg - wenn auch etwas verlangsamt und mit zwischenzeitlichen Ausschlägen nach oben - kontinuierlich fort. Mitte 2003 wurde schliesslich sogar die 8'000-er Grenze unterschritten. Der historische Tiefststand war erreicht.
Da Return?
Nun mehren sich die Zeichen, dass Japan seinen Weg aus der Krise endlich gefunden zu haben scheint. Vor allem ab der zweiten Jahreshälfte 2005 setzte der Nikkei zu einer eigentlichen Rally an, welche - abgesehen von einigen Intermezzos wie dem Livedoor-Schock - bis heute andauert. Letzten Freitag schloss er auf immerhin 17'403 Punkten.
Auch haben!
Diese Entwicklung blieb natürlich auch von hiesigen Finanzdienstleistern nicht unbemerkt, weshalb in den Portfolios der japanische Markt wieder allgemein stärker gewichtet wird. Klar, dass auch ich mich fragte, wie es sich am besten von diesem Trend profitieren lässt. Ein riskantes stock picking kam für mich schon deshalb nicht in Frage, weil mit meinem Online-Trader Yellowtrade, der Zugang zur Börse von Tokio nicht möglich ist. Ein Einstieg in einen der zahlreichen Japan-Fonds kam für mich aus verschiedenen Gründen nicht in Frage. Einerseits handelt es sich auch bei den allermeisten klassischen Anlagefonds letztlich um ein stock picking - wenn auch um ein ziemlich breit gestreutes -, andererseits stören mich die meist sehr hohen Fondsgebühren (was ich an dieser Stelle ja auch schon erwähnte).
Lösung: ETF
Die Lösung fand ich in einem sogenannten ETF (Exchange Traded Funds). Bei diesem immer stärker aufkommenden Anlageinstrument handelt es sich um eine Kombination von Aktien und Anlagefonds. Die einzelnen Fondsanteile werden wie Aktien oder andere Titel an der Börse gehandelt und bilden in aller Regel einen bestimmten Index nach. Dies ermöglicht dem ETF eine im Vergleich zum herkömmlichen Anlagefonds wesentlich tiefere Verwaltungsgebühr. Zudem lässt es sich auf diese Weise auch mit wenig Kapital äusserst breit diversifiziert investieren. Und dies auch in Märkten, zu denen man sonst als Kleinanleger nicht oder nur erschwert Zugang hätte. Von diesen Vorteilen überzeugt, entschied ich mich Ende letzten Jahres für den an der SWX kotierten UBS-ETF DJ Japan 100 (Valorennummer: 1272995). Ich erwarb den Fondsanteil zu Fr. 77.64, das zwischenzeitliche Hoch liegt bei Fr. 83.75 und letzten Freitag schloss er auf Fr. 82.00. Keine spektakuläre Performance natürlich, aber das ist von einem derart stark diversifizierten Produkt auch nicht anders zu erwarten. In Anbetracht des enormen Aufholpotentials der japanischen Wirtschaft ist dieser Japan-ETF als längerfristige Investition sicher zu empfehlen. Day-Traders wie Kollege (und ABB-Fetischist) Viktor Pavelic sollten lieber die Finger davon lassen...
Filmtipp: Sonjas Rückkehr
Sonntag, 23. April 2006, 20.30 Uhr auf SF1: Sonjas Rückkehr, CH 2006
Grund für meine Empfehlung ist allerdings weniger die Tatsache, dass es sich um eine Premiere handelt, sondern vielmehr die Person in der Hauptrolle...
Samstag, April 22, 2006
Ode an die Gartenschere (von Kalinka)

Es ist mir eine grosse Ehre, erstmals in der (2,5-wöchigen) Geschichte von Smythe Style, einen "fremden" Post zu präsentieren. Vermutlich verstosse ich damit gegen sämtliche Gepflogenheiten der Blogosphären-Corporate Governance. Wenn dem so ist, dann nehme ich den Verstoss nur zu gerne in Kauf: Kalinka sinniert als meine erste Gastautorin über die Typologie der gemeinen Gartenschere... Viel Vergnügen!
Kurzkommentar für die Rubrik "Beiträge, die die Welt nicht braucht"
Es war Dienstagabend und Barcelona führte 1:0 gegen Milano, als ich völlig fasziniert mit einem Artikel aus der Zeitschrift "Flora Garten Spezial" ins Wohnzimmer spazierte und mit grossem Mitteilungsbedürfnis meinem Freund daraus berichten wollte. Wie sich herausstellte, geht das ja wohl gar nicht, die männliche Spezies beim Fussballschauen zu stören, geschweige denn mit so einem Beitrag wie dem folgenden hier.

Es handelte sich nämlich um den Artikel "Gartenschere - Für jeden die Richtige". Schon der Titel versprach so einiges und man konnte es kaum erwarten, etwas mehr Einblick in die Welt der Gartenscheren zu erhalten. Wie sich herausstellte ist Gartenschere nicht gleich Gartenschere. Wer sowas glaubt ist schlicht und einfach dumm! Mit Untertiteln wie "Ganz gleich für welchen Anwendungsbereich -GARDENA bietet Ihnen immer die richtige Schere" locken die Antworten das gemeine Volk, und ehe man sich versieht, steckt man knietief im Sumpf des Gartenscherenuniversums. Streng nach dem Motto "Um zu bekommen was ich will, muss ich wissen was ich will", ist es unerlässlich, sich zuerst einmal Gedanken darüber zu machen, für was genau ich die Gartenschere denn brauche.
Will ich ältere und holzige Äste schneiden, bietet sich da das Modell Amboss an. Es hat ein keilförmig geschliffenes Obermesser mit nahezu unzerstörbarer Antihaftbeschichtung. Für das Schneiden von Blumen, frischen Trieben und Zweigen lässt das Modell V 200
grüssen. Und Dank variabler Öffnungsweite ist es für jede Handgrösse geeignet und verfügt nebst der hochgepriesenen Antihaftbeschichtung über eine Präzisionsklinge, wie sie die Welt noch nicht gesehen hat. Und für die Skeptiker unter uns möchte ich noch anfügen: Stiftung Warentest hat die V 200 für "gut" befunden. Das will doch was heissen, meine ich! Es wäre aber nicht die V 200, wenn dies schon alles gewesen wäre. Weiter verfügt sie nämlich über zwei Griffposotionen, wahlweise für den Kraftschnitt (hinten) oder den Schnellschnitt (vorne). Was mich vor allem überzeugt am Modell V 200 ist diese grenzenlose Vielseitigkeit dieser, auf den ersten Blick, so unscheinbaren Gartenschere.
Ich muss wohl nicht erwähnen, dass dies nur zwei von vielen Gartenscheren Modellen sind, die ich euch hier kurz näher bringen wollte. Es war mehr ein Kratzen an der Oberfläche des komplexen Gebiets der Gartenscheren. Aber es würde einfach zu weit gehen, wenn ich auch noch die immer wieder unterschätzte (zu unrecht, meines Erachtens) Astschere BL 500 ins Spiel bringen würde. Ich hoffe trotzdem, dass ich euch dieses heftig umstrittene Thema "Gartenschere -Für jeden die Richtige" etwas näher bringen konnte und ihr sie nun mit etwas anderen Augen betrachtet, wenn ihr das nächste mal eine zu sehen bekommt.
Kalinka
Das neue FDP-Logo

Wir Liberalen
Ab Montag präsentiert sich die freisinnig demokratische Partei der Schweiz (FDP) in einem neuen Logo. Dem entkolorisierten Buchstabenkürzel wurde der Zusatz "Wir Liberalen" angehängt.
Ein Versprechen?
Bleibt zu hoffen, dass es sich bei diesem Zusatz nicht bloss um leere Worte handelt und dass sich die FDP wieder vermehrt auf ihre liberale Tradition rückbesinnt. Schliesslich waren es liberale Kräfte wie Alfred Escher, welche dieses Land gross gemacht haben. Verschiedene Exponentinnen und Exponenten dieser Partei (hier ein unvollständiges name dropping: Yves Christen, Christa Markwalder oder Marc F. Suter) scheinen nämlich vergessen zu haben, dass ein konsequenter Liberalismus sich nicht nur auf gesellschaftspolitische Fragen beschränkt, sondern auch - und vor allem - auf wirtschaftspolitische. Gemeint ist die urliberale Forderung nach mehr Freiheit bzw. weniger Staat. (Ich betone: WENIGER Staat und nicht kein Staat, um den Unkenrufen linker Polterer den Wind aus den Segeln zu nehmen.)
Überleben in Hinterrhein
Hu kärs?!Ich kann mir eigentlich nicht vorstellen, dass es jemanden ernsthaft interessieren könnte, was in meinem WK in der Panzerkompanie 3/12 so alles abgeht. Daher just a few words:
Eine Wucht
Naja, abgehen tun vor allem die Schüsse aus der 12cm-Kanone. Nachdem ich 3 Jahre keinen LEO mehr von innen gesehen hatte, habe ich ganz vergessen, welch wahnsinnige Energie bei so einer Schussabgabe freigesetzt wird. Schlicht unvorstellbar! Eine Druckwelle, die durch Mark und Bein geht, begleitet von einem Knall, den man wohl in Bern noch hören könnnte, läge der Alpenwall nicht dazwischen. Dazu kommt, dass diese Schüsse meist in voller Fahrt und unter massivem Zeit- und Leistungsdruck abgegeben werden. Und wenn ein 56-Tonnen-Stahlkoloss mit 50 km/h über felsigen Untergrund röstet, fühlt sich das für die Insassen halt nicht ganz gleich an wie eine Fahrt auf der A1 im 7er BMW.
Da Fellowship
Etwas Postitives hat das Militär zweifelsfrei. Man lernt immer wieder neue Leute kennen. Leute, mit denen man sonst wohl nie zu tun hätte. Sympathische und arrogante, coole und peinliche, dumme und intelligente, unmotivierte, motivierte und übermotivierte, hilfsbereite oder egoistische... Wie überall im Leben, eigentlich. Im militärischen Alltag ist man aber - mehr als im "zivilen" Alltag - aufeinander angewiesen (sog. Kameradschaft), weshalb sich die obengenannten Eigenschaften innert kürzester Zeit offenbaren.
Mittwoch, April 19, 2006
In the army...now!
Pz RS 222

(ein Erlebnisbericht von Fabian Schmid)
„Ich trekke mit meiner Freundin während zwei Monaten durch Südamerika.“ –
„Ich arbeite zuerst 100% und mache dann einen Sprachaufenthalt in Australien.“ –
„Ich bleibe den Sommer über hier, liege ein bisschen im Marzili und bereite mich auf meine Prüfungen vor.“ –
„Und du, Fäbu, was machst eigentlich du in den Semesterferien?“ –
„Ich geh’ ins Militär.“ –
„Ach, drei Wochen WK?“ –
„Nein, UOS und RS: 18 Wochen.“ –
„Iiiih, du machsch witer?“ –
„Ja, ich mache weiter...“
Sonnabend, 23. Juni 2002. Soeben bin ich erschöpft vom Plauschturnier des TTCT nach Hause gekommen und habe die Kasse abgeschlossen. Ich würde mich am liebsten in die Federn legen. Nichts da, das Vaterland ruft! Morgen beginnt nämlich die Pz UOS 222 in Thun. Und so begebe ich mich halt auf den Estrich und verbringe meinen vorläufig letzten Abend als Zivilist damit, eine grosse Gefechtspackung zu erstellen... etwas, das ich seit fast einem Jahr nicht mehr getan habe.
Mit gemischten Gefühlen stehe ich am Montagmorgen um 10.15 Uhr vor der Kaserne MK 1 auf dem Waffenplatz Thun. Einerseits freue ich mich über das Wiedersehen mit einigen bekannten Gesichtern aus der RS, andererseits plagt mich der Gedanke, dass ich erst am 25. Oktober wieder in die Freiheit entlassen werden soll. Dieses Datum scheint mir zu diesem Zeitpunkt unglaublich fern: „25. Oktober, noch zwei Monate bis Weihnachten und dann ist das Jahr eh schon gelaufen; und dabei hat der Sommer doch noch nicht einmal richtig angefangen.“ Es bleibt allerdings kaum Zeit, mir mit solchen Gedanken den Kopf zu zerbrechen. Schon tönt es: „Kompanie, halt, daher!“ Gemächlich schreiten wir in die Richtung der noch unbekannten Stimme des Kompaniekommandanten, um anschliessend sofort unsanft darauf aufmerksam gemacht zu werden, dass wir uns jetzt nicht mehr im Zivilleben befinden: „Zurücktreten, marsch! Nach links treten, marsch! Nach rechts treten, marsch! Daher!“ Lang ist sie her die RS und eben doch nicht so lang. Wie aus einem schönen Traum, wachen wir auf und finden uns wieder im harten militärischen Alltag...
So beginnt also meine Ausbildung zum Unteroffizier, die Pz UOS 222. Zusammen mit 15 weiteren Panzersoldaten, die Hälfte davon kenne ich aus der RS, befinde ich mich in der Klasse 1 unter der Leitung von Stabsadjudant Duppenthaler. Als Korporäle sollen wir nach der sechswöchigen UOS in die Panzerkompanie 1 der diesjährigen RS integriert werden, wo wir während 12 Wochen den „Korpi abverdienen“.
Der Alltag in der UOS ist abwechslungsreich und gut organisiert. Immerhin sind es berufsmilitärische Instruktoren, die uns ausbilden. Mal sitzen wir im Simulator, mal fahren wir mit den Panzern durchs Gelände, machen Schiessübungen im Zielhang auf der Thuner Allmend, häufig sitzen wir im Theoriesaal. Neben der Ausbildung am Panzer haben wir auch immer wieder Übungen, an denen die Unteroffiziersschüler aller Klassen der Pz UOS in sogenannten Patroullien gegeneinander antreten. Mir bleiben diese Übungen in bester Erinnerung, da sie meistens spannend organisiert sind und einen physisch ans Limit bringen. Der Sport kommt nämlich in einer Panzer-RS im allgemeinen zu kurz, da die technische Ausbildung schlicht zu viel Zeit beansprucht. Ein Höhepunkt stellt für mich die Fahrerausbildung dar. In der RS wurde ich nämlich zum Richter / Lader ausgebildet, hatte also nie das Vergnügen den Stahlkoloss selbst zu steuern. Dies ändert sich in der UOS; ein zukünftiger Korporal und damit Kommandant eines Panzers muss alle Metiers beherrschen. Ehemalige Richter/Lader lernen fahren, ehemalige Fahrer lernen die Richttechnik und das Laden.
Nach 4 Wochen Ausbildung in Thun verschieben wir für eine Woche nach Bure. Bure in der Ajoie, im äussersten Zipfel unseres Landes, am A... der Welt. Bure, bei Sonnenschein trocken und sehr staubig, im Regen dreckig und sehr, sehr matschig, die Hölle von Bure! Hier ist der einzige Ort der Schweiz, an dem man mit den Panzern mehr oder weniger dort durchfahren kann, wo man will, ohne stets darauf achten zu müssen, dass die mit 56 Tonnen belasteten Raupen keine Landschäden verursachen. In Bure wird Krieg gespielt. Zwar verschiesst man aus der 12cm-Kanone keine echte Munition, sondern bloss Laserstrahlen, zwar fliegen die Panzer bei einem Treffer nicht in die Luft, sondern stossen als Treffermarkierung bloss farbigen Rauch aus, doch gelingt die Gefechtssimulation meiner Meinung nach recht authentisch. Die unangenehmen Seiten dieser Reality-Show: Gefechtsmässiges Verpflegen im Busch mit Helm und Sturmgewehr, Biwakieren im Bereitschaftsraum Wald, häufige technische Defekte, mühsame Reinigungsarbeiten an den stark verdreckten Panzern...
„Pz Sdt XY ist heute aufgrund seiner Fähigkeiten und erbrachten Leistungen zum Panzerkorporal befördert worden. Er übernimmt alle Rechte und Pflichten seines Grades.“ Dies die Worte der Beförderungskunde, welche mir und allen anderen Unteroffiziersschülern bei der Brevetierung am 1. August überreicht wird. Die UOS ist zu Ende und damit, wie sich später zeigen sollte, auch das spannenste Drittel meiner 18-wöchigen Dienstzeit.
5. August 2002: Nun gilt es ernst, das Gelernte will angewendet sein. Die frisch gebackenen Korporäle müssen sich jetzt vor den Rekruten beweisen – einem wilden Haufen 20-Jähriger, die nicht unbedingt glücklich darüber sind, den Sommer im Militär verbringen zu müssen. Sie haben bereits 3 Wochen Grundausbildung hinter sich und kannten als direkten Vorgesetzten bisher nur ihren Zugführer. Sie haben in diesem Moment eine gewisse Ahnung über die militärischen Regeln und Formen, über den Sanitätsdienst und die Kameradenhilfe, über die neue Gefechtsschiesstechnik mit dem Sturmgewehr 90 und vom Funkverkehr. Von der zentralen Sache ihrer RS, vom Kampfpanzer 87 Leopard, allerdings wissen sie noch praktisch nichts, haben sie ihn doch bisher nur von weitem gesehen, besten Falls mal aus der Nähe besichtigt. Die Ausbildung an genau diesem Panzer ist die Hauptaufgabe von uns Korporälen für die nächsten 7 Wochen. Jeder von uns hält verschiedene Ausbildungslektionen zu genau vorgegebenen Themen – eine nicht immer ganz einfache Aufgabe. Wie schaffe ich es beispielsweise, einer unmotivierten, vom Schlafmangel gezeichneten Gruppe junger Männer morgens um acht, zwei Stunden lang etwas über den Aufbau der Vorwärm- und Heizanlage des Panzers beizubringen?
Neben den Theorielektionen findet die Ausbildung auch im Richter-Simulator ELSALEO sowie im Fahrersimulator FASIP statt. Ausserdem werden mit dem Laser-Aufsatz Simulationsgefechte auf den Echtpanzern durchgeführt und mit eingebautem Einsatzlauf kann sogar richtig geschossen werden, wenn auch nur mit Kaliber 2,7cm. Neben den Ausbildungseinheiten hat man als Korporal natürlich noch viele andere Aufgaben, wie z.B. als Stellvertreter den Zug zu führen, Betriebstoffe und Material bereitzustellen, Munition zu organisieren, das Zimmerverlesen zu überwachen - ein nicht immer sehr dankbarer Job... Das schlimmste am Unteroffiziersdasein ist aber ganz eindeutig der allgegenwärtige Informationsmangel: einerseits wird von einem verlangt, zu führen, andererseits wird einem kein Einblick in die obere Führungsstufe gewährt. Man befindet sich häufig im Dilemma, zwar Verantwortung zu tragen, aber eigentlich gar keine Ahnung vom weiteren Ablauf zu haben.
Nach 7 Wochen Ausbildung (für die Rekruten heisst das nach RS-Woche Nr. 10) ist die sogenannte Phase Thun zu Ende und es folgt die Verlegung nach Bure. Mittlerweile ist es Herbst geworden und somit überwiegen in Bure die regenreichen Tage. Was das bedeutet wurde bereits oben erwähnt. 3 Wochen werden hier oben Gefechte simuliert. In besonders schlechter Erinnerung bleibt mir jene Nacht, in der die ganze Kompanie bei Dauerregen und ungewöhnlicher Kälte im Wald biwakiert, zu einem Zeitpunkt, zu welchem meine Familie bei 30° C in Mallorca weilt... Gegen diese Nacht wirkt die sogenannte Durchhalteübung oder Überlebenswoche direkt harmlos. Zwar wird hier die ganze Woche über im Freien übernachtet, doch ist dies bei schönem Wetter eigentlich überhaupt kein Problem. Bald liegt auch die Hölle von Bure hinter uns und es folgt eine weitere Verlegung: Hinterrhein.
Dieser entlegene Waffenplatz ist einer der wenigen Orte in der Schweiz, an dem mit den Panzern scharf geschossen werden darf. Jeder Richter / Lader hat hier seine „Feuertaufe“, d.h. drückt hier zum ersten Mal auf den Abzug und löst keinen simulierten, sondern einen echten 12 cm Schuss aus. Man bekämpft stehende oder fahrende Ziele in einer Entfernung bis 3000 m und man trifft sogar! Allerdings sollte man sich nicht darüber den Kopf zerbrechen wie viel Geld man in einer Woche Hinterrhein verschiesst. Bedenkt man das jedes der Pfeil- oder Hohlladungsgeschosse einen Wert von ca. Fr. 2500.- hat, erreichen die Kosten schnell astronomische Höhen. Der Steuerzahler lässt grüssen... Bald ist auch diese Phase hinter uns. Was bleibt, ist noch eine Woche Aufräum- und Abgabearbeiten in Thun und das lang ersehnte Datum, der 25. Oktober 2002 ist auch schon da!
126 Diensttage, 18 Wochen, 4 Monate oder 34.6 % des Jahres 2002 habe ich im Militär verbracht. Für die einen völlig unverständlich und unzeitgemäss, für die andern eine wichtige Schule des Lebens, die noch keinem geschadet hat; die Diskussion über Sinn und Unsinn des Militärdienstes kennt jeder und ich will mich dazu auch gar nicht äussern. Ich kann nur jetzt im Rückblick für mich ganz persönlich sagen, dass ich es nicht bereue.
Dienstag, April 18, 2006
Sittenverfall in Neuenegg!

Was meine Heimatgemeinde Neuenegg doch für ein idyllisches Fleckchen Erde ist!
Doch halt: der Schein trügt. Zumindest in den fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts herrschte hier die pure Dekadenz! Zusammen mit den Nachbardörfern Laupen und Thörishaus lag (liegt?) hier quasi das Sodom und Gomorrha der Neuzeit!
Wie dem Artikel "Multikulturell ist keine Identität" in der aktuellen Ausgabe der Weltwoche zu entnehmen ist, sollen hier vor 50 Jahren schreckliche Dinge geschehen sein:
Ein Pfarrer im freiburgischen Wünnewil, das nahe beim reformierten Bern liegt, stellt 1950 eine «sittliche Verwilderung» fest, deren Ursachen er in Stichworten so zusammenfasst: «Reiche Verdienstmöglichkeiten, überall Vergnügungsanlässe, Ausflüge, Theater, Kino. Wenig elterliche Autorität. [...] Schlechte Bücher, Zeitungen, Tagwacht [Zeitung der SP], unsittliche Reden in den Fabriken Wander in Neuenegg, Thörishaus, Laupen bilden weitere Gefahren. [...] Der sozialistische und protestantische Einfluss ist mächtig. Protestantische Glaubenslosigkeit ohne etwelchen Kirchenbesuch. Neben der schlechten Presse ist auch der Besuch von Sekten von Seiten einiger Katholiken; Aufführungen von gefährlichen Filmen in Flamatt, Neuenegg, Bern. Geburtenbeschränkung bei den Arbeitern. In Neuenegg vielfach Austausch der Ehefrauen.»In einem Punkt haben die Aussagen des freiburgischen Pfarrers leider eine traurige Aktualität: Der sozialistische Einfluss nimmt in Neuenegg tatsächlich bedrohlich zu, wie ein Blick auf die Entwicklung der Parteienstärke bei Wahlen und Abstimmungen der letzten Jahre verdeutlicht...
Montag, April 17, 2006
Warum immer Sion?!
Niederlage der Gelb-Schwarzen im Penalty-SchiessenIn meinem aktuellen Frust mag ich mich gar nicht gross zu diesem Cup-Debakel äussern. Ich möchte einzig ein paar zusammenhangslose Fragen in den Raum stellen: Wie kann es sein, dass Sion bei mittlerweile 10 Cup-Finalteilnahmen nicht ein einziges Mal als Verlierer vom Platz gehen musste? Warum erhält YB-Gohouri nach nicht einmal einer halben Stunde eine rote Karte, obwohl er den gegnerischen Stürmer kaum berührt hat? Warum gelingt es den momentan an vierter Stelle der Super League stehenden Young Boys nicht, (trotz Unterzahl) gegen die unterklassigen Sittener etwas mehr Druck zu machen? Warum wird das Spiel in den Pausen gleich von zwei Wallisern (Bregy und Salzgeber) kommentiert? Und warum schafft es Moderator Rufer (welcher eigentlich Berner oder zumindest Solothurner wäre) nicht, seine Sympathie für die Walliser zu unterdrücken? Warum lobt ebendieser Moderator die "unglaublich anständigen und fairen" Sion-Fans, wenn man gleichzeitig Meldungen über einen von 1500 randalierenden Wallisern verwüsteten Berner Bahnhof und über Ausschreitungen in der Stadion-Umgebung vernimmt. Wie kann es schliesslich sein, dass YB-Topscorer João Paulo seinen Penalty an die Latte hauen muss und das tragische Schicksal seiner Mannschaft damit gleich vom ersten Penalty an besiegelt?
Fragen über Fragen, deren Beantwortung mich ja doch nicht über meinen grenzenlosen Frust hinwegtrösten könnte. Das einzig Positive: die Balkondebatte wird mit diesem Resultat endgültig zur Farce.
Sonntag, April 16, 2006
Darud did it again!
Wenn die Konkurrenz ausser Landes ist... Unrepräsentativen Umfragen zu Folge werden meine Blog-Einträge zu politischen oder wirtschaftlichen Themen von der kleinen aber treuen Smythe Style-Leserschaft nicht besonders geschätzt. Aus diesem Grund gibt's heute wiedermal etwas aus der Sparte people: Kollege Darud hat's mal wieder geschafft. Gestärkt nach Raclette und Alpina-Torte beim Dinner zu Don Lo's Dreissigstem gings ab ins Thuner Nachtleben, wo man auf der Guestlist des ORVIS eingetragen war und einen Platz in der VIP-Lounge auf sicher hatte. Dem Vernehmen nach ging Darud, welcher sich seit kurzem als Warrior of the world bezeichnet, wieder einmal massiv in die Offensive. Wie obiges Foto beweist: mit Erfolg! Fortsetzung folgt...Donnerstag, April 13, 2006
Das Lippenbekenntnis

Heute vor einem Jahr habe ich ES geschafft. Mir ist gelungen, wovon andere ihr Leben lang nur träumen können: Ich stieg über Nacht in den Olymp der Schweizer Cervelat-Prominenz auf!
Wie alles anfing...
Bern, Switzerland, irgendwann im Januar 2005, im Gebäude der Instituts für exakte Wissenschaften (unter Studenten auch "ExWi" genannt). Gerade hatte ich mir am Automaten einen Cappuccino geholt und es mir auf einer Bank gemütlich gemacht, als sie auf einmal vor mir standen. Sie waren zwei Journalisten der renommierten Uni-Zeitung unikum. Ich sei ihnen spontan aufgefallen und sie möchten mir ein paar Fragen zum Thema Attraktivität stellen. Obwohl (noch) ungewohnt im Umgang mit den Medien, liess ich mir meine Nervosität nicht anmerken und erfüllte ihnen diesen Wunsch spontan. Ich stand der Interviewerin Red und Antwort. Unbeirrt vom Blitzlichtgewitter, welches ihr Kollege verursachte. Fünf harte Minuten lang. Dann verschwanden die beiden wieder. Meinte es das Schicksal endlich gut mit mir?
Danach vergingen Tage, Wochen, Monate und es geschah - nichts! War etwa alles umsonst gewesen? Hatte mich Fortuna bereits wieder wie eine heisse Kartoffel fallengelassen? Das konnte doch nicht sein! Als ich die Hoffnung längst aufgegeben hatte, flatterte die April-Ausgabe des unikums in die Briefkästen Tausender und Abertausender Studentinnen und Studenten der universitas bernensis. Sie alle sahen, was an diesem Morgen auch ich sah: auf Seite fünfzehn von dreissig - zentraler wäre es nicht möglich gewesen - mein grosser Auftritt. In Wort UND Bild!
Die Schweiz hat keine Celebrities, also erfand die «Schweizer Illustrierte» den Schweizerpromi: Berühmtheiten, die keine sind. Und etablierte damit lange vor den TV-Casting-Shows das Prinzip: «Jeder ist ein Star.» Bericht aus der Promifabrik.
Text Guido Mingels
Zur Vergewaltigung verpflichtet
Pflicht eines StaatsmannsDer arme Jacob Zuma! Da nimmt er doch nur seine Pflicht als waschechter Zulu-Krieger wahr und nun soll er dafür auch noch bestraft werden. Also wirklich! Wie dem Bund zu entnehmen ist, steht der frühere Vize-Präsident von Südafrika vor dem Richter, weil er eine 32 Jahre jüngere, HIV-positive Freundin der Familie vergewaltigt haben soll. Und was macht Jacob? Die Tat an sich streitet er keinesfalls ab, sondern hält zu seiner Verteidigung das Folgende entgegen:
Fassen wir Zumas Argumentation zusammen: Kurzer Rock + sichtbarer Oberschenkel = Bereitschaft zum Sex = männliche Pflicht zum Beischlaf (bei Unterlassen = Vergewaltigung der Frau). Ist doch logisch, oder?! Etwa gleich logisch wie die Tatsache, dass eine postkoitale Dusche vor einer HIV-Infektion schützt...Die Klägerin habe einen knielangen Rock getragen und habe sich derart
hingesetzt, dass man einen Teil des Oberschenkels gesehen habe. In der Tradition
der Zulu sei dies ein Zeichen für die Bereitschaft zum Sex. Er sei also
gewissermassen zum Beischlaf verpflichtet gewesen, denn bei den Zulu dürfe man
einer erregten Frau den Wunsch nach Sex nicht verweigern – dies käme, so Zuma,
einer Vergewaltigung gleich. Um die Gefahr einer HIV-Infektion zu minimieren,
habe er "danach" einfach eine Dusche genommen.
Erbe des Kolonialismus?
Die Äusserungen von Zuma sind wahrlich bedenklich. Erschreckend ist auch die grosse Häufigkeit von Vergewaltigungen in zahlreichen afrikanischen Ländern, was im Artikel ebenfalls thematisiert wird. Der Versuch des Artikels, eine Erklärung für diese schreckliche Tatsache zu liefern, ist dann allerdings schlicht und einfach peinlich:
Zugegeben: der Imperialismus ist eines der schlimmsten Kapitel in der Geschichte des Abendlandes. Zweifelsfrei haben zahlreiche Probleme des Schwarzen Kontinents ihre Ursache darin. Aber weltfremde Begründungen wie die oben dargestellte zeugen davon, dass das Asche-über-Europas-Haupt-Streuen langsam aber sicher groteske Formen annimmt.Wissenschaftler führen die Tatsache, dass die Häufigkeit dieses Verbrechens in
zahlreichen afrikanischen Staaten unverhältnismässig hoch ist, auf die
Zerstörung sozialer Strukturen etwa durch die Apartheid, aber auch auf die
Erniedrigung der Männer durch koloniale Bevormundung und Rassismus zurück.
«Männer suchen erlittene Erniedrigungen mit Gewalt gegenüber Frauen zu
kompensieren», glaubt Rachel Jewkes vom Medizinischen Forschungsrat.
Dienstag, April 11, 2006
Wenn Frau nicht gleich Frau ist
Ich möchte wirklich nicht, dass Smythe Style das Image eines rein politischen Blogs erhält! Und darum sei hiermit versprochen, dass dies mein letzter Beitrag über die Berner Regierungsratswahlen sein soll. Hoch und heilig.
Logik der Politik
Wenn ich überhaupt je etwas über die Politik gelernt habe, dann das Folgende: In diesem Business sagen die Leute fast nie das, was sie in Wirklichkeit meinen. So kann es zum Beispiel vorkommen, dass "Frau" nicht zwingend mit "Frau" gleichzusetzen ist.
Rückblende
Was meine ich damit? Drehen wir das Rad der Zeit genau 2 Jahre und 4 Monate zurück. Am 10. Dezember 2003 sprengte man(n) in Bern die Zauberformel: Ruth Metzler (CVP) wurde durch Christoph Blocher (SVP) ersetzt und Christine Beerli (FDP) unterlag ihrem Parteikollegen Hans-Rudolf Merz (FDP). Micheline Calmy-Rey war fortan die einzige Frau im siebenköpfigen Bundesrat. Die Proteste liessen nicht auf sich warten. Angestachelt von den Medien, welche praktisch durchs Band weg den Rückfall unseres Landes ins Patriarchat hinaufbeschworen, gingen Tausende auf die Strasse. Die SP schuf einen aus sechs Frauen und einem Mann bestehenden "Gleichstellungsrat" (gibt's den eigentlich noch?) und neben dem Waisenhausplatz entstand eine feministische Mahnwache, welche in den folgenden Monaten auf diese "himmelschreiende Ungerechtigkeit" aufmerksam machen wollte.
Ein Vorwand?
Schon damals äusserte ich den Verdacht, dass sich diese Proteste nicht primär gegen die Untervertretung der Frauen richteten, sondern dass es sich in erster Linie um einen linken Protest gegen Blochers Wahl in den Bundesrat handelte. (Indiz: die mit "gewerkschaftlichen" Trillerpfeifen bewaffneten Demonstrantinnen)
[Ein bekanntes Phänomen übrigens: Wer glaubt schon, dass es bei den Karrikaturen-Protesten Anfang Jahr wirklich um die "Verletzung religiöser Gefühle" ging? Selbstverständlich wurden die Karrikaturen bloss als Vorwand missbraucht, dem Unmut gegenüber der westlichen Überlegenheit Ausdruck zu verschaffen.]
q.e.d.
Die Bestätigung für meinen Verdacht lieferten schliesslich die Wahlen vom letzten Wochenende. 3 bürgerliche Frauen wurden anstelle von 3 rot-grünen Männern nicht gewählt. Wie der Bundesrat, besteht jetzt auch die Berner Regierung nur noch aus einer Frau und sechs Männern. Wo aber bleiben die Proteste in den Medien, wo die DemonstrantInnen, wo die feministische Mahnwache und wer kreiert den aus sechs Frauen und einem Mann bestehenden Anti-Berner-Regierungsrat?!
Fazit
Nur 1 Frau im Bundesrat ist schrecklich, nur 1 Frau im Berner Regierungsrat ist aber überhaupt kein Problem. Wenn eine (mitte-links stehende) Frau von einem bürgerlichen Politiker verdrängt wird, ist das eine Katastrophe. Wenn bürgerliche Frauen von linken Männern verhindert werden und gleichzeitig ein historischer rot-grüner Wahlsieg zu Stande kommt, spielt die Geschlechterfrage auf einmal keine Rolle mehr. Frau nicht gleich Frau.
Arrivederci, Silvio!

Ciao, ciao!
Noch sind zwar nicht ganz alle Stimmen ausgezählt. Trotzdem ist so gut wie sicher, dass der arme Silvio seinen Sessel räumen muss. So viel ich weiss, hat es seit dem Duce keiner mehr so lange an der Spitze unseres südlichen Nachbarlandes ausgehalten. Aber, lieber Silvio, 0% Wirtschaftswachstum sind halt doch etwas gar wenig! Fragt sich nur, ober der linke Prodi diesbezüglich wirklich die bessere Lösung ist...
Sonntag, April 09, 2006
Regierungs- und Grossratswahlen 2006 - Der Rückblick
Gut, dass ich nicht Politologe geworden bin! Viel mehr hätte ich in meiner Prognose zu den Regierungsratswahlen ja kaum daneben hauen können. Etwas näher bei der Realität lag ich bei der geschätzten Wahlbeteiligung (31%), welche tatsächlich 29,7% betrug. Bei den Grossratswahlen schliesslich, dürfte ich mit meinen Prozentzahlen gar nicht so schlecht abgeschnitten haben. Zu den Wahlen im Einzelnen:
Regierungsrat
Egger (SP), Gasche (SVP), Luginbühl (SVP), Pulver (GFL), Rickenbacher (SP), Käser (FDP) und Perrenoud (SP) lauten die Namen der Gewählten in der Reihenfolge der Anzahl Stimmen. Wie kam es zu diesem Ergebnis, welches aus meiner liberalen Sicht eine kleine Katastrophe darstellt? Kollege Aebi nennt in seinem heutigen Eintrag zwei Gründe: Panaschierende Bürgerliche und mobilisierte Linke. Beides hängt direkt mit dem überproportionalen Machtanspruch der Bürgerlichen zusammen und dürfte sicher eine wichtige Ursache für deren tragisches Abschneiden darstellen. Daneben gibt es aber meines Erachtens noch weitere wichtige Gründe für den Wahlsieg der Linken:
Bessere Namen auf der Liste
Die Regierungsratswahl ist eine Majorzwahl und Majorzwahlen sind Personenwahlen. Hier hatte die Linke aus meiner Sicht einen klaren Vorteil. Der langjährige Grossrat und auch bei bürgerlichen Wählern punktende Unternehmer (!) Rickenbacher sowie Bernhard Pulver haben einen wesentlich grösseren Bekanntheitsgrad als Monique-Jametti Greiner oder Eva Desarzens. Dass der Bieler Arzt Philippe Perrenoud das Jura-Duell gegen das unbeschriebene Blatt Annelise Vaucher gewann, erstaunt irgendwie auch nicht.
Bernischer Trend nach links
Seit längerer Zeit ist im Kanton Bern eine klare Tendenz nach links erkennbar. Die Tatsache, dass der Kanton Bern bei eidgenössischen Abstimmungen praktisch immer klar linker als der schweizerische Durchschnitt abschneidet sowie die Wahl der Sozialdemokratin Simonetta Sommaruga (auf Kosten einer FDP-Vertretung) in den Ständerat vor drei Jahren belegen diesen Trend. Ob dies wohl mit dem stetig anwachsenden, grösstenteils im Kanton Bern domizilierten staatlichen Verwaltungsapparat zusammenhängt?
Ungeschickte Bürgerliche
Die 6-er Kandidatur war wie gesagt ein grosser Fehler. Ein weiterer Fehler bestand darin, dass die beiden FDP-Vertreter Annoni und Andres gleichzeitig aus ihrem Amt schieden. Ein Fehler auch, dass die SVP ihre - trotz Krähengeschichte - ziemlich populäre Elisabeth Zölch nicht noch für eine weitere Legislatur antreten liess. Ein oder zwei Bisherigen-Boni mehr, hätten den linken Wahlsieg wohl verhindert. Ein Blick auf die Stimmendifferenz zwischen Bisherigen und Neuen bestätigt die Relevanz des Bisherigen-Bonus.
Linke Stadt Bern
Ohne die Ergebnisse der Stadt Bern, würde das Resultat der Regierungsratswahlen ziemlich genau so aussehen, wie ich es prognostiziert hatte. Stadt und Agglomeration Bern, die- wie ein Blick auf die Ergebnisse bei den letzten eidgenössischen Wahlen zeigt - immer noch linker werden, haben den Ausschlag zum linken Wahlsieg gegeben.
Grossratswahlen
Eigentlich müsste ich mich ja über das Ergebnis der Grossratswahlen freuen. Immerhin gibt es hier definitiv keine Mehrheit von Rot-Grün! Leider ist die Mehrheit der Bürgerlichen hier aber derart hauchdünn, dass deren Sieg hier als Pyrrhus-Sieg bezeichnet werden muss. So erreichen SVP (47 Sitze) und FDP (26) die absolute Mehrheit von 81 Sitzen nur mit Unterstützung der evangelisch konservativen EDU (6), den Schweizer Demokraten (1) und der Freiheitspartei (1). Eine ziemlich heterogene Fraktion, irgendwie.
Cohabitation
Damit haben wir in Bern nun eine an die französische Cohabitation erinnernde Situation von unterschiedlichen Mehrheiten in Legislative und Exekutive. Bei allem Frust über die Ergebnisse dieser Wahlen, könnte dies die Bernische Politik wenigstens etwas interessanter werden lassen. Zusätzlich hat die bürgerliche Regierungsmehrheit der letzten 12 Jahre den Linken die Latte hoch angesetzt: seit ca. 6 Jahren weist der einst gar als finanzschwach eingestufte Kanton Bern stets schwarze Zahlen in seiner Rechnung aus. Ein klares Verdienst der bürgerlichen Regierung. Ich bin gespannt, welchen Weg die neue Regierung in dieser Sache einschlagen wird...
Rot-Grüner Kanton Bern?
Daruds Communiqué Vol. 2

Von El Secondo via Herr der Ringe nach Zoom-zoom
Nach einem kurzen Gastspiel beim Lord of da Rings hat Darudo Baggins Mordor, Sauron und dem Mount Doom den Rücken gekehrt. Wider Erwarten zieht es ihn allerdings nicht back to the roots ins Auenland mit seinen weiss-blauen Seeen! Vielmehr hat er erneut den Weg in den Fernen Osten gewählt und stellt seine Dienste nun seit Anfang April in einer Mazda-Garage in den benachbarten Freund-Freiburgischen Landen zur Verfügung. Ich hoffe, dass seine Odyssee damit ein vorläufiges Ende gefunden hat und wünsche ihm einen erfolgreichen Start!
Samstag, April 08, 2006
Regierungs- und Grossratswahlen 2006 - Die Prognose
Morgen ist es so weit! Knapp 700'000 Bernerinnen und Berner sind zur Wahl von Regierungs- und Grossrat aufgerufen. Von diesen werden allerdings lediglich 31% von ihrem Wahlrecht Gebrauch machen, womit ich (bezüglich Wahlbeteiligung) bereits die erste Prognose geliefert hätte.
Regierungsrat
Schwieriger ist es abzuschätzen, welche Personen in den 7-köpfigen Regierungsrat gewählt werden. Hier meine Prognose über die zukünftige Zusammensetzung der Berner Regierung in der Reihenfolge ihrer vermuteten Anzahl Stimmen:
1. Urs Gasche (SVP)
2. Werner Luginbühl (SVP)
3. Barbara Egger(SP)
4. Hans-Jürg Käser (FDP)
5. Monique Jametti-Greiner (SVP)
6. Andreas Rickenbacher (SP)
7. Annelise Vaucher (SVP)
Einziger Kommentar, den ich hierzu abgeben möchte: Annelise Vaucher (SVP) macht weniger Stimmen als Bernhard Pulver (GFL), aber mehr als Philippe Perrenoud (SP) und wird wegen dem Jura-Statut in den Rat gewählt. Eva Desarzens (FDP) wird indirekt zum Opfer der SVP 4-er Strategie und verpasst die Wahl.
Grossrat
Weil der Rat von 200 auf 160 Personen verkleinert wird, lässt sich keine Prognose über die Anzahl Sitze machen. Ohnehin ist schwer abzuschätzen, wie sich die neuen Wahlkreise auf die Sitzverteilung auswirken werden. Weil das neue System kleinen Parteien entgegenkommt, darf aber als gesichert gelten, dass Parteien wie EVP und EDU zu den Gewinnerinnen gehören werden. Gleichzeitig wird die SVP als grösste Partei Verluste einfahren, zumal es Rot-Grün gelungen ist, die Regierungsrat-4-er-Kandidatur der SVP als arroganten Machtanspruch hinzustellen. Hier daher meine Prognose über die erwarteten Stimmenanteile:
SVP: 29,7% (-2,1%)
SP: 27,0% (+0,55%)
FDP: 17,2% (-0,25%)
GFL: 7,5% (+1,35%)
EVP: 7,0% (+1,05%)
EDU: 5,0% (+0,25%)
GB: 3,5% (+0,55%)
SD: 2,0% (+0,4%)
CVP: 1,0% (+0,25)
Generell prognostiziere ich hier also eher schwache Veränderungen, wenn auch ein gewisser Trend nach links (SP,GFL,EVP und GB zusammen: +3,5%) zu befürchten ist...
Freitag, April 07, 2006
Ein unmoralisches Job-Angebot?
Letzten Mittwoch war ich bei IKEA in Lyssach. Als ich zurück zum Z3 komme, klebt an der Türklinke ein rosafarbener Post-it-Zettel mit einer Handy-Nummer und folgender Botschaft: "Bitte rufen Sie mich zurück. Heidi Schenk". Mein erster Gedanke: wo ist die Beule? Weil ich aber auch nach dem dritten walk-around keinen (neuen) Kratzer finden kann, wähle ich die Nummer...
Der Call
Die Person am Handy gibt Entwarnung bezüglich eines allfälligen Blechschadens und meint stattdessen, sie hätte ein interessantes Job-Angebot für mich im Bereich Finanzdienstleistungen. Sie könne dies aber schlecht am Telefon erzählen. Daher beschränkt sie sich auf einige oberflächliche Informationen und will stattdessen unbedingt einen Termin mit mir vereinbaren. Obwohl oder vielleicht gerade weil mir das Ganze höchst unprofessionell und unseriös vorkommt, willige ich - von grosser Neugier gepackt - auf einen Termin ein. Man verabredet sich daher für heute Freitag, 13.30 Uhr im Tea-Room des Park&Ride Neufeld.
Das Blind-Date
Mit soldatischer Pünktlichkeit, d.h. 5 min zu früh, betrete ich die Location. Von den 5 anwesenden Personen, kann es sich bei keiner um Heidi Schenk handeln. Ich bestelle mir daher einen Café, setze mich an ein Tischchen in der Ecke und blättere gespielt gelangweilt in einer Zeitschrift. In Wahrheit bin ich ziemlich nervös. Schliesslich betritt Frau Schenk den Laden. Sie, schätzungsweise 23, mit kurzem blondem Haar und Brille, leicht untersetzt und nicht besonders geschmackvoll gekleidet setzt sich zu mir und will gleich zur Sache kommen. In diesem Moment betritt ein Mann das Lokal, stellt sich als Herr Scheuner vor und setzt sich zu uns an den Tisch. Die beiden kennen sich offenbar. Er ist 36, kräftig gebaut (aber mit Bierbauch), trägt einen Oberlippenbart und ist unrasiert. Dazu kommt eine Narbe auf der linken Wange. Nach einem kurzen Wortwechsel stelle ich fest, dass er im Gegensatz zu seinem Erscheinungsbild eigentlich ganz nett ist. Die beiden arbeiten für die Firma "Future Invest" und suchen neue Mitarbeiter. Nach einigen Fragen zu meiner Person, zu meinen Wünschen und Träumen (!), bei deren Beantwortung ich es mit der Wahrheit nicht besonders genau nehme, beschreiben mir die beiden in den folgenden 30 Minuten die Tätigkeit, für die ich ihnen offenbar als perfekt geeignet erscheine.
Das Job-Profil
Zusammengefasst besteht die Aufgabe eines Future Invest-Agenten darin, auf Leute in seinem Umfeld zuzugehen, mit ihnen eine Befragung über ihre Spar- und Vorsorgeziele durchzuführen und den ausgefüllten Fragebogen an einen Analyst von Future Invest weiterzuleiten. Dieser wiederum erarbeitet aufgrund dieser Informationen einen Vermögensplan, nimmt mit dem Kunden Kontakt auf und versucht ihn zum Abschluss eines Vermögensverwaltungsvertrages zu bringen. Finanziert wird Future Invest ausschliesslich durch Provisionen jener Banken und Versicherungen, denen sie den jeweiligen Kunden zuführen. Der einzelne Agent erhält seinen Lohn nur dann, wenn ein von ihm avisierter Kunde schliesslich einen Vertrag mit Future Invest abschliesst. Der Lohn beträgt zunächst Fr. 200.- pro Abschluss und nimmt dann stufenweise zu, bis über Fr. 400.- pro Abschluss. Die Arbeitszeit kann man sich frei einteilen und man ist zu keiner Akquirierung verpflichtet (erhält dann aber natürlich auch keinen Lohn). Dazu komme die Möglichkeit einer berufsbegleitenden Weiterbildung zum "dipl. Finanzberater" und eine vielfältige Karriereleiter innerhalb der Firma.
Die Entscheidung
Obwohl sich die beiden wirklich Mühe geben, mich von den Vorzügen dieser Tätigkeit zu überzeugen und meinen zahlreichen kritischen Fragen erstaunlich elegant ausweichen können, lehne ich schliesslich dankend ab. Meine Begründung: ich sei halt eher nicht so der Verkäufer-Typ. Natürlich gäbe es noch 100 andere Grüde, warum dieser Job für mich niemals in Frage käme, die ich hier aber nicht aufzählen mag.
Fazit
Der Ausflug ins Park&Ride hat mich sicher um eine wertvolle Erfahrung reicher gemacht. Dank meinen bohrenden Fragen, konnte ich Einblick in eine mir völlig fremde Firmenstruktur gewinnen. Das Modell stammt zweifelsfrei aus Übersee und wird - so viel ich weiss - auch von Unternehmen wie Sunrise oder Tele2 angewendet. Im Zusammenhang mit der Expansionsstrategie derartiger Firmen hört man häufig den Begriff Schneeballprinzip, auch wenn das vermutlich nicht ganz zutrifft. Leicht enttäuschend war für mich, dass meine Fähigkeit, nein zu sagen nicht stärker auf die Probe gestellt wurde. Ich hatte wesentlich mehr psychischen Druck erwartet. Aber vielleicht waren halt meine Erwartungen nach dem fulminanten Auftakt dieser Geschichte mit dem ominösen Zettel aus der IKEA-Tiefgarage einfach viel zu hoch...
Donnerstag, April 06, 2006
Grossratswahlen Kanton Bern 2006 - Liste der SP
Frauenanteil
Es fällt zuerst einmal auf, dass das weibliche Geschlecht hier lediglich mit 12 von 28 Personen vertreten ist. Ich weiss, ich weiss: andere, v.a. bürgerliche Parteien haben noch tiefere Frauenanteile. Dennoch sind 42.8% Frauen ziemlich wenig für eine überwiegend von Frauen gewählte Partei, welche bei jeder erdenklichen Gelegenheit nach Quotenlösungen schreit und welche selbst in E-Mail-Adressen, die auf "...@student.ch" enden eine Diskriminierung der Frau erkennen will.
Berufliche Zusammensetzung
Viel beunruhigender als die unausgeglichene Vertretung der Geschlechter finde ich etwas ganz anderes. Betrachten wir nämlich die jeweiligen Berufe der 28 Kandidatinnen und Kandidaten, ergibt sich folgendes Bild:
6 direkt bei Bund, Kanton oder Gemeinde Angestellte (im Volksmund "Beamte" genannt)
4 StudentInnen
4 SBB-Mitarbeiter
4 LehrerInnen
4 GewerkschafterInnen (natürlich hat’s noch viel mehr Gewerkschaftsmitglieder auf dieser Liste; diese vier sind aber hauptberuflich bei einer Gewerkschaft oder einer gewerkschaftsähnlichen Organisation angestellt)
2 Sozialarbeiterinnen
2 Familienfrauen
1 Energieberater
1 Mitinhaber Informatikfirma
Ergebnis
Der Energieberater Christian Zeyer und der Informatiker Markus Borer sind meine persönlichen Favoriten. Warum? Weil sie offenbar die einzigen Personen auf dieser Liste sind, welche ihre Brötchen in der Privatwirtschaft verdienen. Abgesehen von ihnen und den nicht verdienenden StudentInnen und Familienfrauen beziehen also alle Kandidierenden ihren Lohn direkt vom Staat. Beim Staat angestellt zu sein ist nicht per se schlecht (ich müsste sonst auch über mein Haupt Asche streuen). Wenn aber die zweitgrössten Partei dieses Landes praktisch nur noch aus Bediensteten der öffentlichen Hand besteht, gibt mir das zu denken.
Glaubwürdigkeit
Was sagt der Anteil staatlicher Angestellter über die Glaubwürdigkeit der SP aus? Sehr viel. Die Tatsache, dass die Exponenten dieser Partei fast ausschliesslich aus Personen bestehen, welche ihren Lohn vom Staat beziehen, wirft folgenden Verdacht auf: Liegen der SP tatsächlich so hehre Werte wie soziale Gerechtigkeit, Service Public, Chancengleichheit, Toleranz, Integration und Umweltschutz am Herzen oder geht es dieser Partei womöglich schlicht und einfach darum, ihre Pfründe zu verteidigen, die eigene „Branche“ zu sichern und - wenn immer ein guter Vorwand gefunden ist - die staatlichen Institutionen unter dem Deckmantel des Gutmenschentums noch auszubauen?
Free Urs Paul Engeler!
Gestern musste sich Urs Paul Engeler einmal mehr vor dem Richter verantworten. Vor 2 Jahren bereits wurde er wegen Bekanntgabe des Standortes des Bernischen Regierungsratsbunkers (in der näheren Umgebung kennt den Standort jedes Kind) zu einer Geldstrafe verurteilt. Nun lautet der fadenscheinige Vorwurf an den unabhängigsten, couragiertesten, liberalsten, politisch unkorrektesten und daher Berns meist gehassten Journalisten folgendermassen: "Veröffentlichung amtlicher geheimer Verhandlungen" i.S.v. Art. 239 StGB.
Das "Verbrechen"
Sein Vergehen? In einem Artikel der Weltwoche hat er den Vorentwurf eines Gesetzes über die "Stärkung der inneren Sicherheit" - sozusagen die Schweizer Antwort auf den Patriot Act - publiziert. Man stelle sich das einmal vor! Wie es sich für ein demokratisches Land wie die Schweiz gehört, werden Vorentwürfe für Gesetze heute in aller Regel im Internet publiziert. Weil in diesem Fall dem Dokument aber der Stempel "Vertraulich" aufgedrückt worden war, soll Engeler für die Veröffentlichung bestraft werden. Ob er den Tatbestand von Art. 239 StGB nun tatsächlich erfüllt oder nicht, spielt dabei aber gar keine Rolle. In Wirklichkeit geht es ohnehin um etwas ganz anderes:
Der Hintergrund
Der Enthüllungsjournalist Engeler scheut als einer der ganz wenigen seiner Gilde nicht davor zurück, immer wieder über Einschränkungen der Freiheitsrechte, über das Wuchern des Staates, über den bedrohlich anwachsenden öffentlichen Schuldenberg, über finanzielle Verantwortungslosigkeiten der öffentlichen Hand, über Fehlentscheide staatlicher Verantwortungsträger oder generell über Unzulänglichkeiten und Widersprüchlichkeiten etatistischer Politiker jeglicher Couleur zu berichten. Damit hat er sich insbesondere unter den Chefbeamten des Bundes mächtige Feinde geschaffen. Einer davon ist Urs von Däniken, Chef des Dienstes für Aufklärung und Prävention, auf dessen Initatiative das aktuelle Verfahren gegen Engeler eingeleitet wurde. Unter dem fadenscheinigen Vorwand von Art. 239 StGB soll diesem "Staatsfeind" nun endlich ein Denkzettel verpasst werden. Neben den Geschichtchen mit dem Regierungsratsbunker und dem Vorentwurf sollen gegen Engeler weitere Ermittlungen im Gang sein. So unter anderem im Zusammenhang mit seinem Bericht über die bundesrätlichen Swisscom Entscheide.
Fazit
Der Staat versucht unter dem Deckmantel des Rechts einen der wenigen namhaften "regierungskritischen" Journalisten dieses Landes mundtot zu machen. Zugegeben: Russische, chinesische oder gar nordkoreanische Zustände sind dies noch lange nicht. Einen beunruhigenden kleinen Schritt in diese Richtung stellt der Fall Engeler aber dennoch dar. Ich jedenfalls sichere hiermit meinem Lieblingsjournalisten meine uneingeschränkte Solidarität zu. Free Urs Paul Engeler!

