Dienstag, Juli 17, 2007
Endlich: Leitfaden für Flugreisende!
So ein Weblog dient ja bekanntlich primär dazu, der Welt Dinge mitzuteilen, die eigentlich keine Sau wirklich interessieren, mit Ausnahme vielleicht des Schreibenden selbst. Letzterem aber genügt bereits der naive Glaube an die blosse Möglichkeit, dass seine Zeilen vielleicht doch irgendjemanden da draussen interessieren könnten. Die Hoffnung gleichsam, dass das Geschriebene folglich etwas bewirken, ja verändern könnte in diesen schweren Zeiten. In ebendiesem naiven Glauben möchte ich mich nach meinem letztwöchigen Mallorca-Trip (nein, es folgt kein Reisebericht!) mit folgendem Beitrag primär an jene richten, welche Linienflüge tätigen und damit Flughäfen benützen, ergo an praktisch alle…So war es mir anlässlich meiner beiden Flüge (mit Swisshansa übrigens) wieder einmal zu beobachten vergönnt, dass auch mehr als 100 Jahre nach den Gebrüdern Wright zahlreiche Passagiere einige wichtige Dinge rund um die (Viel-)fliegerei schlicht und einfach nicht begriffen haben! Ganz im Stil von Torquis Lästerecke (ergo aus einer leicht frustrierten, negativen Grundhaltung heraus) möchte ich den lieben Flugreisenden daher sieben Anregungen mit auf den Weg... äh... Flug geben:
1. Einfach mal locker bleiben beim Boarding!
Noch ist es bei den allermeisten Fluggesellschaften so, dass man einen (nummerierten) Sitzplatz zugeteilt erhält. Warum um alles in der Welt bilden sich dann vor jedem Gate spätestens 10 Minuten vor der Boarding-Time (welche ihrerseits übrigens noch mindestens 30 min vor der estimated time of departure ETD liegt) ellenlange Menschenschlangen?! Dabei könnte man bequem auf den Ledersesseln sitzen bleiben (und wie in meinem Fall dazu iPod hören und sich ob den besoffenen englischen Teenies vom Gate nebenan mit direction Birmingham amüsieren), bis nur noch zwei Leute am Schalter stehen und dann gemütlich in den Flieger spazieren. Die ganz Stilbewussten harren sogar noch ein bisschen länger aus und warten bis sie persönlich aufgerufen werden (steht vermutlich auch in MvH’s How to be a star)…
2. Absitzen (und Fresse halten)!
So nicht, werte Fluggäste! Vielleicht ist euch schon aufgefallen, dass ihr bei einem Linienflug in den meisten Fällen nicht die einzigen Passagiere an Bord seid (selbst bei der tiefen Sitzauslastung der Swiss nicht ;-). Es ist daher wenig sinnvoll, wenn ihr, sobald ihr bei eurem Platz angekommen seid, als erstes gerade unbedingt eure Tasche im Gepäckfach oben verstauen müsst und damit den ca. 150 Passagieren, die noch hinter euch sind und noch ihr Plätzchen suchen, den Weg versperrt! Einerseits passen die allermeisten Handgepäckstücke problemlos unter den Vordersitz (was vom Kabinenpersonal auch ohne Weiteres geduldet wird), andererseits hat man, während das Flugzeug vom holding bay zum runway "täxelet", noch alle Zeit der Welt für eine Gepäckfach-Öffnungsaktion...
3. Pissnelken, nehmt euch beim Riemen!
Also, bitte! Welcher Looser wird denn auf einem bloss 1,5-stündigen Flug Sitznachbaren und andere Fluggäste durch einen WC-Besuch nerven wollen?! Einer wie ich, der ich stolz von mir behaupten darf, auf einem Flug von Los Angeles nach Amsterdem nicht ein einziges Mal Wasser gelassen zu haben, hat hierfür wenig bis gar kein Verständnis. Ich glaube an keinen Orten dieser Welt gibt es eine grössere Toilettendichte als an den international airports. Dies nicht ohne Grund, liebe Freunde: Die Idee dahinter wäre, dass man das stille Örtchen kurz vor dem boarding noch einmal aufsucht und sich dafür während dem Flug ein bisschen zusammenreisst. Dies im Wissen darum, dass man nach der Landung sofort wieder eine Toilette antreffen wird. Garantiert! Sei es in Heathrow oder in Ouagadougou...
4. Sitz runter nervt
Finger weg vom Sitzlehnen-Rückklapp-Knopf! Der Passagier hinter euch, welcher sonst nicht mehr richtig essen, trinken, lesen usw. könnte, wird es euch danken. Flugzeugsitze eignen sich ohnehin schlecht für ein gutes Nickerchen (selbst in der business class!), da hilft auch ein bisschen mehr Horizontale nicht. Diese in höchstem Grad asoziale Aktion ist einzig dann erlaubt, wenn das Kabinenpersonal auf Langstreckenflügen die kollektive Nachtruhe verordnet. Sonst nie! Trost für alle Opfer: es gibt genügend Tricks gegen nervige Sitznachbarn...
5. To clap or not to clap?
Hmm... Wie ist das mit dem Klatschen nach der Landung? Obwohl ich es selber schon ewig nicht mehr getan habe, fehlt mir hier die pointierte Meinung. Studivz bestätigt, dass es in dieser Frage auch keine herrschende öffentliche Meinung gibt: Die Gruppe "Gegen die Unart des Klatschens in Flugzeugen" zählt aktuell 95 Mitglieder, doch auch "Wir klatschen, wenn unser Flugzeug landet" bringt es auf immerhin 83 Mitglieder. Als einer, der früher einmal selbst die hohe Kunst des Landens erlernen durfte, empfehle ich hier einen Mittelweg: Legt der Pilot eine exzellente, saubere und v.a. sanfte Landung hin (eine, bei der man sich nicht sicher ist, ob man schon Boden unter den Rädern hat oder nicht), dann darf dezent geklatscht werden...
6. Auch nach der Landung gilt: erstmal locker bleiben!
Man kennt es: kaum erlischt das Angeschnallt-Lämpchen auf den Displays, klicken die Sitzgurte in Scharen, die Leute springen auf, kramen ihr Handgepäck zusammen, rasch bildet sich eine ungeduldige Menschenschlange im Gang und trotzdem verstreichen bis zur Öffnung der Ausgänge noch mindestens 5 Minuten... Warum um Himmels willen muss es auf einmal so verdammt schnell gehen, wenn man bei der anschliessenden Gepäckannahme ja doch wieder eine Viertelstunde warten muss?!
7. Laufbänder sind zum Laufen da!
An grossen Flughäfen gilt es für die Flugreisenden bisweilen grosse Entfernungen in kurzer Zeit zurückzulegen. Aus diesem Grund finden sich dort häufig Laufbänder. Die Idee wäre also, dass die Passagiere bei gewöhnlichem Marschieren wesentlich schneller an ihr Ziel kommen. Unglaublich, aber dies haben schätzungsweise 90% der Flugreisenden nicht begriffen! Als ob die Bänder ihrer Bequemlichkeit wegen installiert worden wären bleiben sie wie angewurzelt darauf stehen, mit Vorteil nebeneinander und den Gepäckwagen quer positioniert, damit auch ja keiner vorbei kommt (, welcher - im Gegensatz zu diesen bedauernswerten Kreaturen - das System eigentlich begriffen hätte). Es ist zum Verzweifeln...
Nun aber genug der Lästereien! Zuletzt noch dies: der Self Check-in von Swiss ist scheisse! Die Idee, den Pass am Automaten einzulesen und dann die Boarding-Card sowie die Gepäck-Etiketten selbst auszudrucken, den Koffer dann eigenhändig beim nächsten Rollband abzuliefern und dadurch die Warteschlange vor den Check-in-Schaltern zu überbrücken ist in der Theorie genial, in der praktischen Umsetzung dagegen eine Katastrophe. Dass das Abtippen der verlangten Daten (u.a. eine 12-stellige Ticketnummer sowie die Passnummer) eine Ewigkeit dauert, wäre ja noch verkraftbar. Dumm nur, dass das Ganze nur in einem von vier Fällen überhaupt geklappt hat! Für die Tickets, bei denen der Versuch scheiterte, wurde man – wen wundert’s? – an den herkömmlichen Check-in-Schalter verwiesen…
Comments:
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Er ist wieder da - unpolitisch und besser denn je! Bloggen hat halt schon immer am meisten gebracht, wenn man mit eloquenten Worten jemand/etwas so richtig in die Pfanne hauen kann :-)
Weiter so, damit wir den Weggang des Torkels aus der Blogosphäre verkraften können.
Mein Senf:
2) Das nervt also nicht nur mich ... Dennoch finde ich die Hutablage deutlich geeigneter für mein Samsonite-Handtäschchen mit 2.5kg schwerem Laptop drin ...
3) Mal schauen, wer auf dem "Güsche" als erstes auf die Toilette muss *hihi* ... Grundsätzlich gilt: Es kann für jeden einmal dringend werden. Naturen, die als äusserst pinkelfreudig gelten, sollten aber aus Rücksichtnahme Gangplätze buchen.
5) Meine Erfahrung: Auf Flügen zu Feriendestinationen (Sommer, Sonne, Strand) macht man es - bei Städte- und Businessreisen garantiert nicht.
6) Wobei noch anzufügen wäre: Kein richtiger Tourist, wer sein Mobiltelefon nicht Hunderstelssekunden nach dem Touchdown anschaltet - und die ganze Belegschaft mit Ruftonlautstärke 5 eingehenden SMS belästigt.
7) Bei dir Hinreise sollte man tatsächlich darauf laufen, bei der Abreise sollte aber auch das stehen erlaubt sein (Gründe wären: Überhand nehmender Ferientrott, durchgefeierte Nacht und beim Abflug immer noch 2 Promille in der Birne).
Weiter so, damit wir den Weggang des Torkels aus der Blogosphäre verkraften können.
Mein Senf:
2) Das nervt also nicht nur mich ... Dennoch finde ich die Hutablage deutlich geeigneter für mein Samsonite-Handtäschchen mit 2.5kg schwerem Laptop drin ...
3) Mal schauen, wer auf dem "Güsche" als erstes auf die Toilette muss *hihi* ... Grundsätzlich gilt: Es kann für jeden einmal dringend werden. Naturen, die als äusserst pinkelfreudig gelten, sollten aber aus Rücksichtnahme Gangplätze buchen.
5) Meine Erfahrung: Auf Flügen zu Feriendestinationen (Sommer, Sonne, Strand) macht man es - bei Städte- und Businessreisen garantiert nicht.
6) Wobei noch anzufügen wäre: Kein richtiger Tourist, wer sein Mobiltelefon nicht Hunderstelssekunden nach dem Touchdown anschaltet - und die ganze Belegschaft mit Ruftonlautstärke 5 eingehenden SMS belästigt.
7) Bei dir Hinreise sollte man tatsächlich darauf laufen, bei der Abreise sollte aber auch das stehen erlaubt sein (Gründe wären: Überhand nehmender Ferientrott, durchgefeierte Nacht und beim Abflug immer noch 2 Promille in der Birne).
Hey ihr Lästertanten!
Mit eingen Flugmeilen der letzten vier Wochen in meinen Knochen (what a rhyme...) kann ich mir es nicht nehmen lassen auch meinen Senf dazuzugeben. In der Tat hast Du einige enorm nervige Punkte angesprochen. Was mich mit meinen 1.88m und meinen affenartigen langen Beinen natürlich immer unheimlich stört sind die Rücklehnenknopfdrücker. Meistens, so habe ich festgestellt, sind es nicht grosse Personen die den Knopf drücken und nerven, sondern Kinder und klein gewachsene Frauen... Umsomehr verursacht dies bei meinen Meniskus geplagten Knien Unverständnis, was sich in meinem Fall mit einem heftigen am Sitz rütteln manifestiert. Sehr zu empfehlen ist ein Aufschrei "aua mein Knie du Arsch...!", was normalerweise zu einem "oh exgüse" führt und der Knopf wird wieder gedrückt; nur diesmal gehts in die richtige Richtung!
Als einer der von Bern ins Tessin einmal 4mal anhalten musste um dringend zu pinkeln, muss ich alle Flugzeugpinkler in Schutz nehmen! Die können nix dafür oder mehr noch vielleicht: Die haben ev. nur die gleiche Fantasie wie ich, nun ja ihr wisst schon... Was ihr habt noch nie von einer Stewardess auf dem Bord WC geträumt? Langweiler!
Nur eins möchte ich als Nr.1 der meist nervensten Sachen im und ums Flugzeug anfügen: Schreiende Kinder und das in einem 12 Std Flight...
Ach ja fast vergessen, noch was für Vielflieger: Fragt Laetizia (ihr wisst schon, seie wo sech Heidi gnennt het...) nie nach einem Foto...
Mit eingen Flugmeilen der letzten vier Wochen in meinen Knochen (what a rhyme...) kann ich mir es nicht nehmen lassen auch meinen Senf dazuzugeben. In der Tat hast Du einige enorm nervige Punkte angesprochen. Was mich mit meinen 1.88m und meinen affenartigen langen Beinen natürlich immer unheimlich stört sind die Rücklehnenknopfdrücker. Meistens, so habe ich festgestellt, sind es nicht grosse Personen die den Knopf drücken und nerven, sondern Kinder und klein gewachsene Frauen... Umsomehr verursacht dies bei meinen Meniskus geplagten Knien Unverständnis, was sich in meinem Fall mit einem heftigen am Sitz rütteln manifestiert. Sehr zu empfehlen ist ein Aufschrei "aua mein Knie du Arsch...!", was normalerweise zu einem "oh exgüse" führt und der Knopf wird wieder gedrückt; nur diesmal gehts in die richtige Richtung!
Als einer der von Bern ins Tessin einmal 4mal anhalten musste um dringend zu pinkeln, muss ich alle Flugzeugpinkler in Schutz nehmen! Die können nix dafür oder mehr noch vielleicht: Die haben ev. nur die gleiche Fantasie wie ich, nun ja ihr wisst schon... Was ihr habt noch nie von einer Stewardess auf dem Bord WC geträumt? Langweiler!
Nur eins möchte ich als Nr.1 der meist nervensten Sachen im und ums Flugzeug anfügen: Schreiende Kinder und das in einem 12 Std Flight...
Ach ja fast vergessen, noch was für Vielflieger: Fragt Laetizia (ihr wisst schon, seie wo sech Heidi gnennt het...) nie nach einem Foto...
Freunde des Fliegens! Möge dieser Leitfaden möglichst viele Flugreisende erreichen!
Aus (zukünftigen) beruflichen Gründen, erachte ich es als meine Pflicht, mich hierzu - speziell zum After-Landing-Applause - kurz zu äussern:
Der vorangegangene Flug kann noch so schön sein, die Landung trägt den grössten Teil zum Flugerlebnis bei. Von butterweich bis kontrolliert abgestürzt, solange das Flugzeug danach noch brauchbar ist, war es eine gute Landung. Unmittelbar nach dem Aufsetzen beginnt aber für die Piloten (fälschlicherweise wird immer nur von DEM Piloten gesprochen. Die sind aber immer zu zweit!) eine arbeitsintensive Phase. Umkehrschub, Klappen setzen, bremsen, die richtigen Rollwege finden, Kommunizieren mit der Bodenfunkstelle,... Das Klatschen der Passagiere bei der Landung ist sicherlich lieb gemeint, aber die Cockpit-Crew hat wohl kaum freie Kapazitäten, die Anerkennung zur Kenntnis zu nehmen. Ich finde, Applaus wäre angebracht, sobald das Flugzeug am Standplatz angekommen ist und die Triebwerke abgestellt werden. Dieser Applaus würde dann für den ganzen Flug und für die ganze Besatzung (Cockpit und Kabine) gelten.
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Aus (zukünftigen) beruflichen Gründen, erachte ich es als meine Pflicht, mich hierzu - speziell zum After-Landing-Applause - kurz zu äussern:
Der vorangegangene Flug kann noch so schön sein, die Landung trägt den grössten Teil zum Flugerlebnis bei. Von butterweich bis kontrolliert abgestürzt, solange das Flugzeug danach noch brauchbar ist, war es eine gute Landung. Unmittelbar nach dem Aufsetzen beginnt aber für die Piloten (fälschlicherweise wird immer nur von DEM Piloten gesprochen. Die sind aber immer zu zweit!) eine arbeitsintensive Phase. Umkehrschub, Klappen setzen, bremsen, die richtigen Rollwege finden, Kommunizieren mit der Bodenfunkstelle,... Das Klatschen der Passagiere bei der Landung ist sicherlich lieb gemeint, aber die Cockpit-Crew hat wohl kaum freie Kapazitäten, die Anerkennung zur Kenntnis zu nehmen. Ich finde, Applaus wäre angebracht, sobald das Flugzeug am Standplatz angekommen ist und die Triebwerke abgestellt werden. Dieser Applaus würde dann für den ganzen Flug und für die ganze Besatzung (Cockpit und Kabine) gelten.
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