Mittwoch, Januar 24, 2007

 

Die FDP - Wir Relativen

Smiling Catilina sinniert über die Unfähigkeit der Freisinnigen, sich im Wahljahr 2007 intelligent zu positionieren:

Es mag ja sein, dass ich, seit mein Tagesanzeiger-Testabo abgelaufen ist, wieder nur allzu einseitig informiert bin. Jedenfalls ist es so, dass der FDP wohlwollende Blätter wie die NZZ nicht gerade geneigt sind, die Fehler dieser Partei auszuschlachten. Insofern könnte das Nachfolgende höchst redundant sein:

Am Parteitag der FDP Schweiz stellte die FDP Genf den Antrag, die direkte Bundessteuer abzuschaffen. Laut NZZ wurde dieser Antrag gegen den Willen der Parteileitung handstreichartig angenommen. So weit, so gut. Mit keinem Wort wird erwähnt, dass die FDP dies ja bereits fordert, in ihrem Vorschlag aus Zürich für eine Easy Swiss Tax:

1. Der Bund kann nur noch die Mehrwertsteuer zu einem erhöhten Satz erheben.

2. Die Kantone erheben eine Flat Rate Income Tax auf das Gesamteinkommen, welches sich aus dem Arbeitseinkommen (Löhne), Kapitaleinkommen (Wertschriften etc.) und Transfereinkommen (irgendwelche Renten) zusammensetzt.

3. Einkommen werden individuell besteuert, d.h. Konkubinat und Ehe werden gleich behandelt.

4. Diverse Einzelheiten, wie dass es nur noch zwei Abzugsmöglichkeiten gibt (eine davon für Kinder).

Deshalb fragt man sich: Weshalb ist die FDP-Parteileitung indigniert über die Annahme des Genfer Antrags? Pelli will nun (widerwillig) prüfen, wie ein solches System umgesetzt werden kann. FDP-Bundesrat Merz sagt, ein solches Projekt sei kurz- und mittelfristig nicht realisierbar…!

Und viel wichtiger noch: warum hat man überhaupt über diesen Antrag abgestimmt? Bei Easy Swiss Tax steht "FDP lanciert die Easy Swiss Tax"! Oder habe ich es einfach falsch verstanden? Wurde eine interessante und tolle Idee, Easy Swiss Tax, schon wieder durch die Hintertür zu Grabe getragen? Wenn ja, dann hat die FDP wohl ein Kommunikationsproblem. Im Wahljahr!

Easy Swiss Tax könnte ein Wahlkampfschlager sein. Mit Easy Swiss Tax hätte die Parteileitung auf das steuer- und wirtschaftspolitisch (wieder-)gehärtete Profil der FDP verweisen können. Die ganze Schweiz hätte gewusst, wofür die FDP steht. Dies ist nicht unwichtig, nachdem die Berner FDP im Grossen Rat entgegen dem nationalen Parteiprogramm gegen die Einführung des Ausländerstimmrechts auf Gemeindeebene gestimmt hat. Da fragt man sich, kann so die FDP denn ihr Programm für eine wachsende Schweiz, inklusive Ganztagsschulen etc. durchsetzen? Hinzu kommt, dass auch Liberale ein wenig Organisationstalent an den Tag legen sollten. Ist das FDP-Programm nicht konsistent über die Zeit, Laune oder aktuelle Machtverhältnisse in der Parteileitung hinweg?

Bald könnte es deshalb heissen: "Die FDP, Wir Relativen!". Für Liberale sollte das die höchstmögliche Beleidigung sein, andernfalls wähle ich nie mehr FDP.


Donnerstag, Januar 18, 2007

 

MusicStar: Muslime benachteiligt?


Aus mir völlig unverständlichen Gründen sind zahlreiche Leute der Meinung, mein jüngerer Bruder und ich würden uns verblüffend ähnlich sehen. Wenn sie wüssten, dass wir uns nicht nur ähnlich sehen, sondern offenbar auch sonst ganz ähnlich ticken: Als ich am Dienstagmorgen jene Schlagzeile auf dem Titelblatt von 20minuten entdeckte, war mir sofort klar, dass ich dies bebloggen müsse. Gerade als ich zur Tat schreiten will, erreicht mich ein Mail von Gebruder Räbeli mit dem folgenden Gast-Post:

„MusicStar: Muslime benachteiligt?“ So titelte heute Morgen die Gratiszeitung „20 Minuten“. In der ersten Finalsendung der dritten Staffel von MusicStar im Schweizer Fernsehen musste Albresha Iljazi als erste Kandidatin die Gruppe verlassen. Auch Muhammed Kahraman erhielt nur wenige Stimmen der Zuschauerinnen und Zuschauer und musste deshalb auch um sein Weiterkommen im Finale zittern. Mit dem Friendship-Ticket der anderen Kandidaten wurde er aber zurück ins Rennen geholt.

Nun, soweit eigentlich noch nichts Aussergewöhnliches. Aber einige Medien haben eine Gemeinsamkeit der beiden Kandidaten bemerkt, die sie deutlich von ihren Mitstreitern abhebt. Albresha – mit Wurzeln in Mazedonien – und Muhammed – ursprünglich aus der Türkei – sind beides Muslime. Somit mussten bei der ersten Finalsendung ausgerechnet die beiden einzigen Muslime der MusicStar-Gruppe hinten anstehen. Sofort wird eine Kausalität zwischen Rassismus gegenüber dem Islam in der Schweiz und Am-wenigsten-Telefonstimmen-bekommen suggeriert. So steht heute in „20 Minuten“:

„Bei der MusicStar-Sendung vom Sonntag erhielten Albresha und Muhammed am wenigsten Publikumsstimmen. Hat es damit zu tun, dass sie Muslime sind? <>, glauben die Mütter der Kandidaten.“

Einmal mehr eine Möglichkeit für Muslime in der Schweiz, sich in die Opferrolle der hiesigen Kultur zu werfen; einmal mehr eine Möglichkeit für Medien in der Schweiz, die (nicht selten unbegründeten) hitzigen Debatten zum Thema Europa und Islam wieder anzuheizen.

Die beiden haben weitere Gemeinsamkeiten. Weshalb wird hier nicht auch ein intoleranter Hintergedanke des Publikums vermutet?
„Bei der MusicStar-Sendung vom Sonntag erhielten Albresha und Muhammed am wenigsten Publikumsstimmen. Hat es damit zu tun, dass sie 18 jährig sind?“
„Bei der MusicStar-Sendung vom Sonntag erhielten Albresha und Muhammed am wenigsten Publikumsstimmen. Hat es damit zu tun, dass sie beide gerne R’n’B, HipHop und Pop hören?“
Was wäre, wenn zwei Frauen am wenigsten Stimmen bekommen hätten? Hätte man auch gefragt, ob es etwas damit zu tun habe, dass Schweizer die Frauen grundsätzlich unterdrückten?

Ich finde die Aussage, dass das Ergebnis der ersten MusicStar-Sendung der dritten Staffel etwas mit Fremdenfeindlichkeit zu tun haben soll, absolut übertrieben und definitiv nicht berechtigt.

Weiter gilt es nämlich zu bedenken, dass mit dem System der Telefonwahlen diejenigen Kandidaten auf der Abschussliste stehen, die am wenigsten Stimmen bekommen. Kandidaten, die den Einzug in die nächste Finalsendung schaffen, erhalten also einfach mehr Anrufe auf ihr Konto. Die Zuschauerinnen und Zuschauer können somit nicht bewusst eine Person abwählen, sondern nur Einzelnen ihre positive Stimme abgeben. Hätte das Schweizer Volk also bewusst die beiden muslimischen Kandidaten abwählen wollen, so hätten sich alle Anruferinnen und Anrufer vorher absprechen und Albresha und Muhammed bewusst auslassen müssen.
Immerhin: auch Albresha selber äussert sich zur Thematik: „Ich denke nicht, dass mein Glaube der Grund war.“

Dienstag, Januar 16, 2007

 

Brüssel - eurabäische Hauptstadt?


Im Jahr 2005 wurden in Brüssel, dem Herzen Europas, 206 männliche Babies geboren, die alle den gleichen Vornamen erhielten. Der da lautete: Mohamed.
Damit belegte dieser Name wie zuvor schon in den Jahren 2000-2004 mit weitem Abstand Rang 1 in der Statistik der häufigsten Neugeborenen-Vornamen in Brüssel.
Die Statistiker weisen politically correct darauf hin, dass es in muslimischen Familien üblich sei, dem Erstgeborenen den Namen des Propheten zu geben. In die Top-five geschafft haben es aber auch Ayoub (Rang 3), Rayan (Rang 4) und Mehdi (Rang 5). Beliebt waren bei den Hauptstädtern schliesslich auch Yassine (Rang 12), Ayman (Rang 15), Hamza (Rang 16), Rayane (Rang 18), Bilal, Ali, Ibrahim und, und, und...
Man kann diese Entwicklung gut finden oder auch nicht. Abstreiten lässt sich die enorme Zunahme von Angehörigen der muslimischen Kultur in Europa angesichts derartiger Zahlenbeispiele aber kaum mehr. Wer die Islamisierung Europas bloss als Propagandalüge oder Schreckensgespenst von SVP-lern, Patrioten oder Neonazis abstempelt hat so ziemlich gar nichts begriffen.

Samstag, Januar 13, 2007

 

swiss made Tschernobyl im beschaulichen Lucens

Das Problem ist bekannt: Es gibt Ereignisse wie etwa Hochzeiten oder Trennungen von Hollywood-Stars, über die jedes Kind Bescheid weiss, obgleich sie gänzlich unwichtig wären. Andererseits gibt es aber Vorfälle, welche von derart grosser Brisanz sind, dass sie eigentlich in unser kollektives Bewusstsein gehörten, und dennoch weiss kein Schwein davon. Eines jener, in der breiten Öffentlichkeit kaum bekannten Ereignisse dürfte die Reaktor-Katastrophe von Lucens (VD) sein: dieser eidgenössische nukleare Super-GAU ereignete sich bereits 17 Jahre vor Tschernobyl, forderte aber - weil er sich tief im Berg ereignete - glücklicherweise keine Menschenleben und geriet wohl auch deshalb in der breiten Bevölkerung wieder in Vergessenheit. Ein Versuch, diesen bedenklichen Vorfall in unser Bewusstsein zurückzuholen, sei hiermit unternommen:

"21.1.1969: Im ersten schweizerischen Reaktor Lucens ereignet sich kurz nach Betriebsbeginn eine Kernschmelze, also der schlimmstmögliche Unfall. Beim unterirdischen Versuchsreaktor handelt es sich um ein unausgereiftes Projekt, vorangetrieben von einem schweizerischen Unternehmenskonglomerat, das einen eigenen Reaktortyp auf den Markt werfen wollte. Dabei werden elementarste Vorsichtsmassnahmen verletzt. So weigert sich beispielsweise die «Nationale Gesellschaft zur Förderung der industriellen Atomtechnik», die Funktionstüchtigkeit des Brennstoffs zu prüfen, bevor er im Reaktor eingesetzt wird. Die damalige Sicherheitsbehörde setzt dann allerdings durch, dass ein Testversuch durchgeführt werden muss. Mit verheerenden Folgen: Das Brennelement ist schon nach sechs Monaten völlig zerstört. Trotzdem kommen die Beteiligten zum Schluss, dass kein Sicherheitsrisiko vorliege und geben das OK für den neuen Reaktor. Als Lucens dann nach einigen Testläufen hochgefahren werden soll, kommt es innert Kürze zur Katastrophe: Ein Teil des Brennstoffs schmilzt beinahe sofort. Erst kommt es zu einem Druckanstieg, dann zu einem Druckabfall. Alle Alarmsirenen gehen los, hohe Radioaktivität wird gemessen, Wasser ist, wo es nicht sein sollte. Die Operateure begreifen nicht, was los ist. Glücklicherweise stellt sich der Reaktor selbst ab. Doch radioaktives Kühlmittel tritt aus und gelangt in die Reaktorkaverne. Die freigesetzte Dosis wirkt innert 6 Stunden tödlich. Nur unglaublichem Zufall ist es zu verdanken, dass sich zur Unfallzeit niemand in der Kaverne befindet. Da Lucens unterirdisch ist, wird ein Teil der Radioaktivität in der Kaverne zurückgehalten. In der Untersuchungskommission, welche die Folgeschäden des GAUs untersucht hat, sitzen allerdings ausnahmslos Experten aus Gremien, welche die Betriebsbewilligung für Lucens erteilt haben. Sie kommt zum Schluss, dass die Strahlenbelastung der Bevölkerung gering gewesen sei." (Quelle)

Was will ich mit diesem Aufwärmen kalten Kaffees? Mit Sicherheit keine politischen Forderungen zum Ausstieg aus der Atomkraft ableiten. Gott bewahre! Nur mit dem weiteren, ev. sogar erweitereten Betrieb von Atomkraftwerken ist unsere Energieversorgung längerfristig und erst noch umweltfreundlich (mal abgesehen von der Entsorgungsfrage) gewährleistet. Die Episode ruft uns indessen in Erinnerung, dass nicht nur in ehemaligen Sowjetrepubliken oder bei den "bösen" Amis, sondern bisweilen auch in der "correcten" Schweiz munter behördlich geschlampt und gepfuscht und anschliessend unter den Teppich gekehrt wurde (wird?)....

PS: Dank an Malke, welcher mich (als Teil der diesbezüglich ignoranten Bevölkerungsmehrheit) auf das Ereignis aufmerksam gemacht hat.

Dienstag, Januar 09, 2007

 

Terminologie der Stelzböcke


Die Anzahl verwendeter Übernamen nimmt in meinem Kollegenkreis schon fast exponentiell zu (etwa so wie die Staatsverschuldung der Schweiz, aber das ist ein gaaaanz anderes Thema). Zeit, dass mal jemand einen Überblick schafft in diesem Dschungel der Pseudonyme, akas usw...
Dieser Beitrag soll gleichzeitig als Nachschlagewerk für die zahlreichen LeserInnen von da Blog und co. dienen. Hier also die heiss ersehnte Nomenklatur der Stelzböcke (Reihenfolge willkürlich):

Kollege Aeby:
Mäd, Emeidi, Öttu, Ötzi, Ötzel, Özel ne, Özel hui, Äsio, Äsio und die Kinder

Kollege Benz:
Benzle, Mr. B., Meister B., Grossmeister B., Master B., Master

Kollege Malke:
Batrig (schwäbisch), Patrigg (welsch), Patrice, Pädi, Malke, Malekke, Malkedei, Dei, Hebu, Hebo, He-Beau, Hebelin, gemeiner Hebelin, gemeiner Feld- Wald- und Wiesenhebelin

Kollege Sedlacek d. J.:
Sedi, Martiné, Martinienze, Nienze, Niense, Niense frisst Gänse, Gänse, Niänce (nasal ausgesprochen), Carlos Solis

Kollege Sedlacek d. Ä.:
Tom, Tommy, Oooooh Tommy, Tomaschi, Maschi, Maschmasch, Maschowitsch, das grosse Mann, dr Gross, dr Tschech, der Ostblock-Stecher, Seku, Seku-Quetscher

Kollege Sommer:
Rüedu, Güäschä, Giäsch, Sümpu, Mr. Summer, Darud, Darudo Baggins, Darudo Baggerins, Randy, Rändi, Ränzi, Rancey goes dancey, Randey, Rändel, Randal, Replacement Nienze, Jesse Blue, Outrider (= violent intruder from out of space), Tschäss (Sorry Maschi: nie etabliert)

Kollege Thevenet:
Lonny, Lonnie, Löru, Lorance, Cousäng Loräng (päng!), Lawrence, St. Lawrence, Lone-Star, Don Lo, Der Don, Donnie, Lo-lo-Lonny, Lonelylonely

Kollege Wittwer:
Simu, Snorre, Schnurrä, John S., Mr. W., Mr. S, Simoney, Widi, Widulin, Zwidi, Vericus, Torquenstein, Torqui, El Torque, Torxxx

Kollege Zgraggen:
Remy, Rere, Churi, Gus, Güssu, Zgraggä, Zgrägu, Zgräsch, dr Aut, Fies, Fisio, Fääs, dr Japaner, myremy

PS: Dieser Artikel handelt (in Bewusster Auslassung des Schreibenden sowie zahlreicher NebendarstellerInnen wie etwa "Franxxx", "dr Giu mit dr Igeli-Frisur", "A-DK", "Sushi-Man", "Chlodwig" oder "B-Dog") von lediglich 9 Personen, welche es zusammen auf unglaubliche 112 anerkannte Übernamen bringen, deren Aufzählung hier noch nicht einmal Anspruch auf Vollständigkeit erhebt. Die Urheberschaft darf zu einem beachtlichen Teil von den Herren Randal und Urbel in Anspruch genommen werden. Für Erweiterungen und Ergänzungen bedankt sich der Autor im Voraus bestens.

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