Freitag, August 24, 2007
Die Macht der Weltwoche?

Vor fast einem Jahr beendete ich in diesem Blog meine Liebeserklärung an die Weltwoche mit folgenden Worten:
"Und zu guter letzt liebe ich die Weltwoche, weil sie mich einen Traum träumen lässt: den Traum, dass es unter den jungen Intellektuellen eines Tages nicht mehr als selbstverständlich und als cool gelten wird, dass man politisch links tickt. Weist doch die Weltwoche immer und immer wieder überzeugend darauf hin, wie antiquiert das linke Gedankengut im Grunde ist und dass die konservativen Verhinderer in diesem Land heute nicht mehr unter den Bürgerlichen, sondern im linken Spektrum zu suchen und zu finden sind..."
Gestern wurde mir bei der Lektüre der neusten Ausgabe bewusst, dass dieser Traum bereits heute ein kleines Stückchen Wahrheit geworden ist. Anlass dazu gaben mir die 14 Fragen an den Berner Rapper Greis (welcher zum Boykott der Weltwoche aufruft) oder - genauer gesagt - die folgende Passage:
Peer Teuwsen (Weltwoche): Warum greifen Sie nicht die NZZ, den Tages-Anzeiger, den Blick an? Die schreiben manchmal auch über Sozialmissbrauch und wollen die Steuern senken.
Greis: Weil es der Weltwoche gelingt, beim urbanen Mitte-links-Publikum die Ideen der SVP salonfähig zu machen...
Da war es! Dieses leicht resignierende Zugeständnis des ideologischen Linken (wie ein anderes Interview unzweifelhaft aufzeigt) über den politischen Einfluss der Weltwoche in der jungen, urbanen Generation, dem linken Mittelstand. (Nebenbei: das Trendwort "urban" wird in der selben Ausgabe Opfer von Mörgelis spitzer Feder. Autsch! Welch' Schmerz für Urbel, aber item...). Dass die "Urbanen" im Herbst SVP wählen werden, würde ich schwer bezweifeln, doch darum geht es ja nicht. Entscheidend ist, dass es der Weltwoche offenbar gelingt, einer breiten Öffentlichkeit, ja sogar den Linken selbst, die Antiquiertheit, die ideologische Verbohrtheit, die haarsträubenden Defizite und Verfehlungen (mit ihren verheerenden Auswirkungen auf die Nachwelt) der linken Politik und ihrer scheinbürgerlichen Gehilfenschaft aufzuzeigen. Mir selbst - seit Kindesschuhen nichts übrig für linke Ideen - konnte ich nicht trauen, wenn es mich dünkte, die Weltwoche hinterlasse politische Spuren. Wenn aber ein Sozi-Rapper den selben Verdacht hegt, ja sogar vom angeblichen "rechten Gedankengut als Mainstream" redet (und DAS nach Jahrzehnten linker Vorherrschaft in der Medienlandschaft der Schweiz!), dann, ja dann könnte vielleicht wirklich etwas dran sein. Wir werden sehen...
Ganz so optimistisch wie Chefredaktor Köppel in der selben Ausgabe wäre ich dann doch nicht. Im "Tagebuch" auf der letzten Seite wittert er Morgenluft:
"...Interessanterweise, vermeldet Economiesuisse, hätten sich führende sozialdemokratische Politiker im persönlichen Gespräch keineswegs ablehnend zu den Befunden geäussert, sondern die Studie akzeptiert, obschon offizielle SP-Verlautbarungen den gewohnten klassenkämpferischen Sound verbreiten. Der Vorgang beweist: In der Schweiz tauen die Fronten. Realitäten setzen sich durch. Die Linke wird wieder lernfähig, und auch bei der Zürcher Sozialhilfe scheint der Moment der Selbsterkenntnis gekommen. Anzeichen einer Zeitenwende."
Übrigens: Die Fragen an Greis sind auch sonst ein in vielerlei Hinsicht phänomenales Interview. Interviewer Teuwsen (aus linker Sicht übrigens ein Verräter, war er doch zuvor für das Magazin des Tagi tätig) besticht in seinen "Fragen" durch die für die WeWo so typische Ironie:
"Sie erhöhen damit vielleicht die Auflage des feindlichen Organs."
Mit solchem Kriegschargon nimmt man einem Klassenkämpfer den Wind aus den Segeln...
"Kann es sein, dass Sie an der Verunsicherung Ihres eigenen Milieus leiden?"
No comment...
Nachdem Greis stolz erwähnt hat, dass er jeden Donnerstag in seinem Stammcafé die Weltwoche überfliege und dann das Wort "Welt" durchstreiche und "SVP" darüber schreibe:
"Und das finden Sie dann lustig."
Muahaha! Übrigens: jede Wette, dass es sich beim Stammcafé des Greisen um das "Parterre" am Falkenplatz handelt...
Auf Greis' Vorwurf, dass die Weltwoche immer nur schreibe, der Staat und die Steuern müssten schrumpfen:
"Vielleicht deshalb, weil es stimmt."
Ja, vielleicht...
Sonntag, August 12, 2007
Mein Portfolio im Sog der globalen Korrektur
Was in der Finanzpresse seit längerer Zeit immer wieder angekündigt wurde - ich persönlich las erstmals im Herbst 2006 entsprechende Befürchtungen-, scheint nun also endlich eingetreten zu sein: die US-amerikanische housing bubble erschüttert die globalen Aktienmärkte!
Dem gegenwärtigen Abwärtstrend konnte sich auch mein Portfolio nicht entziehen. Hier die Eckdaten seit der Lancierung am 3. April 2007:
SPI: -3,2%
Mein Portfolio: +2,0%
Noch bin ich also mit knapp 2'000 Fränkli im Plus, Anfang Juni waren es noch über 15'000...
Ich weiss, der hätti und der wetti... Nichtsdestotrotz sei hier darauf hingewiesen, dass ich bei meinem Portfolio, würde es denn tatsächlich real existieren, längst Einfluss genommen hätte. Bei den Von Roll-Papieren etwa, welche zu den besten Zeiten über 55% im Plus standen (aktuell noch 35%) hätte es sicher Gewinnmitnahmen gegeben, während ich wohl die Implenia-Titel nach den ungünstigen Meldungen über die Absichten von Laxey längst abgestossen hätte...
Item, wir lassen mein Portfolio weitertrudeln, das Primärziel - das Toppen des SPI - ist nach wie vor erfüllt.

