Donnerstag, August 19, 2010

 

Eastern Europe - Meine Reisespesen

Ich habe gerade eine 2-wöchige Reise hinter mir: Die Reise war genial, einfach der Hammer, unvergesslich! Aber es geht mir jetzt nicht darum, einen Reisebericht zu verfassen (das oder sowas in der Art kommt dann vielleicht noch, vielleicht auch nicht). Nein, ich will auf etwas ganz anderes hinaus:

Die Reise war im Grunde genommen das, was man unter „Reisen“ ganz archaisch zu verstehen pflegt: ein ständiges Unterwegs-sein, sich Fortbewegen. Nie hielten wir es länger als 2 Tage am selben Ort aus, meistens waren die Aufenthalte auch kürzer. Wir legten tausende von Kilometern zurück und dies zu Land, zur Luft und sogar zu Wasser: 3 mal bestiegen wir das Flugzeug (Basel-Berlin, Simferopol-Istanbul, Istanbul-Basel), 3 mal verschoben wir auf der Schiene (Berlin-Warschau, Warschau-Kiev, Kiev-Odessa), 3 mal war der Reisecar unser Fortbewegungsmittel (Odessa-Simferopol, Simferopol-Sewastopol und Sewastopol-Jalta). Insbesondere die Krim-Halbinsel erforschten wir zu grossen Teilen auch per Taxi (total ca. 600 km!), und 2 mal fuhren wir gar über Wasser (Hafenrundfahrten in Sewastopol und Istanbul). Als Übernachtungsmöglichkeiten dienten uns Rucksacktouristen zwar keine Hotels, die Namen wie Marriot oder Hilton trugen, doch nächtigten wir längst nicht in den schlimmsten Absteigen, die der ehemalige Ostblock zu bieten hat (und das wären wahrlich einige), sondern meist in ganz okayen Mittelklasse-Häusern, bisweilen solche mit altem Sowjetcharme. Wenn uns die sengende Hitze nicht den Appetit raubte, liessen wir es uns auf dieser Reise auch kulinarisch gut gehen, und das nicht in den billigsten Restaurants, sondern manchmal sogar im einen oder anderen Gourmet-Tempel (von den kulinarischen Schätzen der Stadt Istanbul will ich an dieser Stelle noch gar nicht anfangen zu schwärmen, aber auch nach ihnen konnte teilweise geschürft werden). Last but not least das Nachtleben! Wo wir auch waren, es wurde überdurchschnittlich stark von uns frequentiert, wobei wir jeweils nicht nur günstigen Wodka, sondern auch exorbitant teuren Whiskey konsumierten (und nicht immer nur für uns alleine). Wir besuchten Clubs, die Namen wie „Ibiza“ (Arkadia Beach, Odessa) trugen und dem gleichnamigen Clubbing-Mekka auch in nichts nachstanden, namentlich auch nicht in Bezug auf die Höhe der dortigen Eintritts- oder Getränkepreise! Und was gaben wir schliesslich Geld für Unsinniges aus?! So beispielsweise 160 Euro für einen Eintrittspass zur legendären Techno-Sause Kazantip, ein Pass welcher eigentlich für 3 Wochen Zutritt berechtigen würde (wir waren aber nur 1 Nacht da!). Oder die Polizisten, die wir bestechen mussten (unser Vergehen: Konsum eines Biers im Zuge) oder der Abzocker-Hotel-Vermittler in Istanbul, um hier nur ein paar der harmloseren Sinnlosigkeiten aufzuzählen… Zusammengefasst: Wir haben einiges erlebt und unternommen auf unserer Reise und das hat – wen wundert’s? – auch Geld gekostet.

„Wieviel Geld denn eigentlich insgesamt?“, fragte ich mich am Ende des Trips und machte, bewaffnet mit Taschenrechner, Internet-Kontoauszügen und ein paar Quittungen, rasch eine Milchbüechli-Rechnung. Das Ergebnis: rund Fr. 2‘800.-. Das ist nicht viel, finde ich, zumal angesichts der oben aufgezählten Aktivitäten! Fr. 2‘800.- (bei meinem Begleiter dürfte es sich um einen ähnlich tiefen Betrag handeln), die wir nota bene selbst erspart haben... Und damit komme ich zur politischen Message (die braucht’s ja schliesslich auf smythestyle, auch wenn der Blog längst eingerostet ist…):


Diese Zahl – 2‘800 Fränkli – vor Augen haltend staunte ich nicht schlecht, als ich diese Woche in einer Zeitung las, wieviel an Reisespesen ein gewisser Andreas Gross (SP-Nationalrat, GSoA-Gründer, Club-Helvétique-Mitglied, Demokratie-Exporteur, Gutmensch, Weltverbesserer, das volle Programm halt) im Jahre 2008 absahnte: Es waren vom Steuerzahler finanzierte Reisespesen von Fr. 175‘000.- (in Worten: Einhundertfünfundsiebzigtausend Franken). Nochmals: Wir haben anlässlich der oben beschriebenen Reise innert 16 Tagen Fr. 2‘800.- ausgegeben und liessen uns es dabei wahrlich gut gehen. Hochgerechnet auf die Fr. 175‘000.- Spesen von Genosse Gross würde dies aufs Komma genau 1‘000 Tage Reisespass bedeuten! Das Jahr hat aber bekanntlich nur 365 Tage und Andi war 2008 – so vermute ich – nicht jeden Tag im Ausland, sondern drückte ab und an auch mal die (Hinter-)Bank im Parlamentsgebäude…


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